Ironman Switzerland 2009 - Der ausführliche Bericht mit Bildern
July 15th, 2009Freitag, 10.07.09
Anreise morgens nach Zürich. 13:00 Uhr Wettkampfbesprechung an der Landiwiese. Danach Startunterlagen abholen, obligatorischer Rundgang auf der Messe, Small-Talk usw.
Danach mit dem Auto die 90 km-Radrunde abgefahren. Wir waren ja schon 3 Wochen zuvor in Zürich, um die Strecke mit dem Rad abzufahren, doch da herrschte Roth-Wetter und das wollte ich mir nicht antun. Also zum dritten Mal mit dem Auto abgefahren und dieses Mal haben die Hügel eingebaut, die vor 3 Wochen noch nicht da waren, ohne jeden Zweifel. Im Nachhinein war ich mir nicht sicher, ob das eine gute Idee war, denn die Strecke verschafft ordentlich Respekt. Egal, dachte ich mir, die anderen müssen da auch drüber und so schlecht bin ich ja auch wieder nicht.
Anschließend fuhren wir gleich zur Welcome-Party ins Schützenhaus Albisgütli. Hoch oben auf dem Herrliberg über den Dächern Zürichs gelegen mit einem wunderschönen Panoramablick. Ein riesiges Restaurant im traditionellen Stil. Es gibt ein 4-Gänge-Menü (Salat, Pasta, Geschnetzeltes mit Gemüse und Kartoffeln, Kuchen) und u.a. Erdinger Alkoholfrei. Das ganze mit Bedienung und allem pipapo. Wir sitzen unbewusst an dem Veranstalter-Tisch, mit dem Ironman-Sprecher, Mitarbeitern des Veranstalters selbst, den Mädels, die das offizielle Maskottchen darstellen,
dem Alphorn-Kudi undundund. Großes Kino auf jeden Fall, wir sind mitten drin statt nur dabei. Nebenbei wird das offizielle IM-Video 2008 auf Großbildleinwand gezeigt, Gänsehaut pur. Auch weil die Armen letztes Jahr durch die Hölle mussten, das Ganze hätte ebenso in Roth gewesen sein können. Danach ab ins Hotel, mitten in Zürich, wie der Name Hotel Central schon sagt und schlafen.
Samstag, 11.07.09
Die Nacht war zwar nicht schlecht, doch ich hätte gerne etwas länger geschlafen. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo Laura schon sehr gut einschätzen kann, wann ich mit meiner Nervosität alleine sein will (muß). Sie geht shoppen. Die üblichen Vorbereitungen treffen (Material ein weiteres mal checken, Startnummer und Chip testen, Helm bekleben, Bekleidung zurechtlegen, Verpflegung aussuchen, Garmin laden undundund) und ausführlich ums Rad kümmern. Und jetzt sollte der Hammer kommen. Ich hatte mein Rad wie immer vor großen Rennen ausführlich professionell checken lassen und alles war soweit in Ordnung. Nur hatte ich das Xentis-Vorderrad da nicht dabei, weil ich aus Zeitgründen mein Trainingsvorderrad draufgelassen hatte. Ein Fehler, man lernt ja nie aus. In der Tiefgarage des Hotels habe ich dann noch mal das Reifen-Wechseln mit der Gaskartusche geübt und es hat auch gut geklappt. Noch mal Luft mit der Standpumpe hinterher und mich dann um Trinksystem und Tacho gekümmert. Auf einmal schießt jemand mit einem Revolver, dachte ich zumindest. Vorderreifen geplatzt. Gibts gar nicht, denke ich mir, ist mir noch nie passiert. Gut, dass ich am Mittwoch 3 Schläche gekauft hatte. Wieder gewechselt, wieder aufgepumpt, wieder um Tacho gekümmert und schon wieder schießt jemand wild um sich. Glücklicherweise war ich mit dem Ohr direkt am Reifen, so dass ich mich auch noch 10 Minuten später durch das angenhme Piepsen im Ohr noch sehr lebhaft daran erinnern konnte. Gut, dass ich am Mittwoch 3 Schläuche gekauft hatte. Ich erinnere mich daran, dass es auf dem Gelände einen Bike-Doktor gibt, an den ich mich jetzt wenden werde. Aber bitte den Chefarzt!! Ich pumpe wieder auf, diesmal nur 6 Bar, ziehe meine Laufklamotten an und fahre mit dem Rad zum 3,5 km entfernten Start. Dort ist von 15:30 - 16:30 Uhr Bike Check Inn für meine Startnummer 557. Beim Bike-Doktor ist die Hölle los, wahrscheinlich ein Virus oder so. Der unsympathische Scott-Mann nimmt meinen Reifen runter, schaut nach dem Schlauch, montiert das Ganze wieder und schüttelt mit dem Kopf. Mit dem Reifen würde er nicht fahren, meint er. Der läuft unsauber und er kann für nichts garantieren. Dass er nicht sauber läuft, ist mir beim Reifenwechsel in der Tiefgarage das erste Mal aufgefallen. Er empfiehlt mir, neue Reifen draufzumachen und hält mir irgendwelche für 160 Euro hin. Schweiz halt. Ich schaue mich auf der Messe um und entdecke einen Stand, wo sie Continental verkaufen. Ich handle einen Preis aus inkl. Montage (Ich rühre heute keinen Schlauch mehr an) aus und gehe zurück zum Bike-Doktor. Als ich mein Rad abhole, sehe ich, dass das Vorderrad platt ist und das Ventil abgerissen ist. Der unsympathische Hektiker hat meinen dritten Schlauch vernichtet und meint noch scheinheilig, ich muß einen neuen draufziehen, weil das Ventil zu kurz wäre. Vollidiot !!! Gut, dass ich 3 Schläuche gekauft hatte. Ich lasse mir die neuen Reifen beim Conti-Stand draufziehen und werde langsam etwas relaxter. Das Rad ist fertig und als ich es übernehmen will, ist der Vorderreifen platt. Ich bin kurz vorm durchdrehen. Der Monteur entschuldigt sich für seinen Fehler und zieht den fünften Schlauch innerhalb von 3 Stunden auf. Ich checke ein und vergesse meine Aufregung etwas angesichts meiner sehr guten Position in der Wechselzone. Direkt vor dem Mittelgang, das zweite Rad von außen. Kein Streß mit Durchkommen oder Reihe zählen. Klasse. Ich treffe mich mit Laura und wir joggen zusammen Richtung Hotel auf der Laufstrecke. Mensch, ist das Langsam-laufen anstrengend. Duschen, Pasta Essen beim Italiener, erstaunliche Relaxtheit und sogar Vorfreude. Um 21:30 Uhr bin ich im Bett und kann überraschend gut schlafen.
Sonntag, 12.07.09
04:00 Uhr. Wecker klingelt. Der Moment, wo ich zu 50 % sagen kann, ob das heute was wird. Ich muß grinsen und denke mir: Geil, Ironman-Tag. Die restlichen 50 % merke ich, wenn ich aufstehe und 3 Schritte gelaufen bin. Sehr gute Beine. Das wird was! Die Nacht hatte ich Kompressions-Strümpfe an, mittlerweile schwöre ich ja drauf. Frühstück. Guarana-Tee, Iso und Honig-Toast. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich 6 oder 8 Scheiben gegessen habe. Ich glaube aber 8, denn ich war mehr als satt, so dass ich meine obligatorische Banane nicht mehr runterbekommen habe und meinen Power Bar Cookies & Cream verschieben musste. Getränke vorbereitet, und um 05:00 Uhr Abmarsch zum HBF, um mit dem Zug zum Start zu fahren, da es keinerlei Möglichkeit gab, mit dem Auto anzureisen. Es stinkt nach Alkohol, überall müde Betrunkene. Um 5:30 Uhr bin ich in der Wechselzone, es ist noch wenig los, keine Musik, die aufgehende Sonne versteckt sich hinter Wolken. Der magischste Moment bei einem Ironman. Ich weiß, das der Vergleich pervers ist, aber ich muß immer dran denken, dass es sich wohl so anfühlen muß, wenn man in den Krieg zieht. Verabschiedungsszenen, als würde man sich das letzte Mal im Leben sehen und diese Anspannung in den Gesichtern. Folie vom Rad runterziehen und den Reifen checken. Yesss. Luft ist drin. Alles wird gut, Peter. Innerhalb von Minuten alles vorbereitet und zurückgezogen. Es wird richtig voll und hektisch. Der Schwimmstart ist ca. 200 Meter von der Wechselzone entfernt. Wir laufen in die Richtung, ich will noch etwas die Ruhe genießen, und vor allem in Ruhe meinen Cookies & Cream naschen.
Ekelhaft. Ich gehe noch mal zum Rad und schalte meinen Garmin ein. Dann muß alles schnell gehen, Neo an, einreiben, Pulsgurt, Brille, Kappe und los.
Einschwimmen ist nicht, um 6:30 Uhr muß jeder das Wasser verlassen habe. Darauf hatte ich keine Lust. Der Startbereich ist gegliedert nach Frauen, die links starten dürfen und Männern, die rechts starten. Das Feld zieht sich in ca. 200 Meter Breite und sammelt sich am Strandbad Mythenquai, einem Strandbad, wie der Name schon sagt.
Auf einmal heißt es, noch 2,5 Minuten bis zum Start und alle gehen nach und nach ins Wasser, was vorher nicht erlaubt war. Alle schwimmen wie die Irren zur Startlinie, ca. 100 Meter vom Ufer entfernt. Irre, dieses Gefühl. Aber mulmig.
Vor diesem Massenstart hatte ich schon das ganze Jahr über Bammel, weil ich das in dieser Größenordnung nur einmal beim IM Frankfurt 2006 mitgemacht habe. Aber das es so heftig kommen wird, hatte ich mir nicht erträumt.
Das Rennen
3,8 km Schwimmen - Die Hölle
Geplante Zeit: 01:09:00 Std.
Wie aus dem Nichts der Startschuß um 07:00 Uhr. Es sind noch nicht einmal alle Athleten an der Startlinie, da geht das Gewühle schon los. Was sich in diesen Sekunden in meinem Kopf abspielt, kann nur einer nachvollziehen, der das schon mitgemacht hat. Ich fange an zu kraulen, bekomme sofort eine volle Ladung Wasser in den Mund und kriege keine Luft mehr. Um mich herum nur noch Gekeule und ich schwimme Brust. Von hinten und der Seite dann Schläge und ich muss wieder kraulen. Das Wasser ist so aufgewühlt, dass ich keine Luft schnappen kann und ich zapple herum wie ein Nichtschwimmer kurz vor dem Ertrinken. Ich habe tatsächlich Überlebensangst. Ich frage mich, warum ich mir das antue und überlege abzubrechen ( nach 10 Sekunden !!!). Ich habe wirklich Bedenken, hier nicht mehr heil rauszukommen und suche nach Kanus oder Booten. Nirgendwo eins in Sicht. Völliger Wahnsinn, denke ich mir und werde noch unruhiger. Heute kann ich sagen, wenn ein Boot in der Nähe gewesen wäre, hätte ich mich festgehalten und wäre dafür disqualifiziert worden. Also versuche ich irgendwie voranzukommen, irgendwie einen Rhythmus zu finden. Zeitvorstellungen sind mir so egal wie nochwas, nur hier lebend raus kommen. Noch dazu kommt, dass ich durch die Panik überhaupt nicht weiß, wo ich hinschwimmen soll. Ist mir auch völig egal in dem Moment, hauptsache Ruhe finden und hoffen, dass sich das Wasser beruhigt. Irgendwie wird es dann auch besser, mein Puls beruhigt sich, das Wasser scheinbar auch und ich kann an schwimmen denken. So langsam kommt mir in den Sinn, warum ich überhaupt hier bin und der Wettkampfgedanke kommt hoch. Ach ja, da war ja was mit 3,8 km Schwimmen und so. Auf einmal dreht sich ein Schalter um. Scheiße, die Bestzeit, Gas geben. Dass ich die geplante Schwimmzeit nicht schaffen werde, war mir jetzt schon klar. Dafür laufe ich dann eben 2 Minuten schneller, denke ich mir. Ich schaue mich das erste Mal um und suche die Boje. Nichts zu sehen. Egal, weiter gehts, immer der Masse nach.
Irgendwann sehe ich sie dann und schwimme gezielt. Kurz vor der Boje der befürchtete Massenstau. Ca. 100 Triathleten, alle mit Zeitvorstellung, einen halben Kilometer vom Ufer entfernt in 400 Meter tiefem Wasser auf engstem Raum und alle wollen den kürzesten Weg. Alles steht, kein Vorankommen mehr. Von hinten wird geschoben, totzdem sind die Leute relativ rücksichtsvoll, ich rufe “Langsam, Leute” und einer neben mir ruft was ähnliches auf Französisch und es wirkt tatsächlich. Geduldiges Warten wie an der Supermarktkasse. Es geht weiter Richtung zweite Boje und das Feld verliert sich allmählich.
Ich finde meinen Rhythmus und die Panik ist völlig vergessen. Nach ca. 1,8 km ist die erste Runde vorbei und es geht als Landgang über eine kleine vorgelagerte Insel.
Geplant waren 32:00 Minuten, ich steige nach 33:19 min. und als 802. Gesamt raus.
Damit hatte ich gerechnet.
Wieder rein ins Wasser und immer besser gefühlt.
Es war von den Zuschauern her die Hölle los.
Auf einmal kann ich sogar drauf achten, wie klar der Zürichsee ist, man kann sogar die Augenfarbe der Mitschwimmer erkennen, wenn man will. Und das ganze Gewächs, das vom Boden hochwächst, wie im Mainparksee in Mainaschaff. Der Rest ist schnell erzählt, ich versuche mich lang zu machen, zu gleiten und wenig mit den Beinen zu schlagen. Die Zeit ist eh futsch, jetzt nur Kräfte sparen.
Kurz vor dem Ausstieg dann kräftig mit den Beinen schlagen, um das Blut wieder in die Beine zu bekommen. Die extrem steile Ausstiegsrampe hoch,
die Helfer ziehen mich raus und schon bin ich im Trocknen. Links neben mir höre ich Laura schreien. Tut gut. Ein Blick auf die Uhr, irgendwas mit 1:11, wie ich es mir gedacht hatte. An dieser Stelle bin ich 758 von ca. 2.200 Startern. Jetzt kommt meine beste Disziplin, der erste Wechsel.
Split: 1:11:22 Std. - 758. Gesamt
Wechsel 1
Geplante Zeit: 03:00 Minuten
Vollgas laufen, Brille hoch, Neo öffnen, bis zur Hüfte runterziehen und schon am Fahrrad. Neo aus, nicht ganz so schnell wie sonst, währenddessen Brille auf, Helm auf, in Startnummerband gestiegen, Radschuhe an, Rad geschnappt und los.
Vollgas laufen. Stau am Radstart. Waren wohl doch einige genauso schlecht wie ich, denke ich mir. Ich steige auf, drücke den Garmin auf Start und es erscheint “Starte Radfahren” . Alles klar, mache ich. In der Ergebnisliste sehe ich, dass ich den 148. schnellsten Wechsel hingelegt habe.
Split: 01:46 Min. - 148. Gesamt
180 km Rad - Mein Meisterstück
Geplante Zeit: 05:24:00 Stunden
Ich stieg als 671. aufs Rad, also habe ich 87 Starter in der Wechselzone überholt. Am meisten liebe ich den Triathlon-Sport, da er mir mit zunehmender Dauer immer mehr entgegen kommt, je länger, desto besser. Schwimmen ist für mich eigentlich nur notwendiges Übel und Rad nur Überbrückung zum eigentlichen Show-Down, dem Marathon, wo sich die Spreu vom Weizen trennt, wie man so schön sagt. Also bin ich erst mal froh, auf dem Rad zu sitzen und mich etwas von der Hektik auszuruhen. Gleich ein Gel aus Eigenbedarf reingedrückt und Iso getrunken. Die ersten 28 km sind brettflach, es geht rein nach Zürich, immer am See entlang, auf die Nordseite des Sees. Zwei kleine Erhebungen, kein Thema. Mein Plan: Ruuuuiiisch, jaaanz ruiiisch, et läufttttt. Puls schön unten lassen (Vorgabe: Nicht über 135), nicht von den Massen, die mich überholen, nervös machen lassen und eigenes Rennen fahren. Windschatten ist kein Problem, es wird anständig gefahren. Das Wetter ist angenehm, ca. 18 °C. Es waren ca. 23-25° C gemeldet und kein Regen. Auf einmal fängt es an zu regnen. Ich denke mir, das kann doch nicht wahr sein, warum kann ich nicht einmal einen Iroman ohne Regen auf dem Rad verbringen? Bei km 28 verlassen wir kurz vor Rapperswil die See-Straße in Feldbach am Kreisel und durchfahren die erste Verpflegungs-Stelle. Schlecht gemacht, nur jeweils ein Helfer für Wasser, Iso und Cola und zu wenige für die Futtereien. Es ist sehr schwierig, etwas zu bekommen und ich werde im Verlauf des Rennens nicht immer Glück haben, also bunkere ich, was ich bekomme, aber das ist nicht viel. Der erste Hügel geht noch gemächlich ins Hinterland, ich bin gespannt, wie er sich auf dem Rad anfühlt. Ich habe gute Beine und komme gut hoch. Der Puls spielt auch mit und geht nur auf ca. 144 hoch. Die Strecke schlängelt sich nun auf ca. 10 km Länge immer leicht bergauf, dann kommt die erste kleine Bergabpassage, die ich sehr begrüße. Dann kommt diese verrückte Stelle, wo es durch eine kleine Siedlung mit einer winzigen km 30-Straße geht, obwohl um den Ort herum eine gut ausgebaute, wenig befahrene Straße führt. Hier sind zwei Rampen drin, die ich super hochkomme. Ich komme immer besser in Tritt und habe an dieser Stelle noch einen knappen 38er Schnitt, ohne hart gefahren zu sein. Aber die Berge kommen ja noch. Bis km 50 geht es wellig weiter mit machbaren Steigungen. Dann kommt eine der gefährlichen Abfahrten, bei der man aus vollem Schwung abbremsen muß, auf eine dem Gegenverkehr nicht gesperrte Hauptstraße bergauf fährt um dann wieder links abzubiegen. Überhaupt muß man sagen, dass die Strecke in keinem! Bereich voll gesperrt war, in einer Abfahrt musste ich einem Auto hinterherfahren und konnte nicht überholen. Für einen Ironman ein absolutes Unding! Dies wurde aber in der Wettkampfbesprechung angekündigt, dass dies in der Schweiz nicht möglich ist. Komische Vögel, die Schweizer, muß man schon sagen. Na ja, trotzdem ist alles gut gegangen. Die Strecke übrigens ist wunderschön, teilweise mit Blick auf die schneebedeckten Alpen
und in einer schönen Abfahrt ein sensationeller Blick auf den Zürichsee. Hatte ich mir vorgenommen, die Natur zu genießen und dafür ein Auge zu haben, egal wie hart es wird. Bei km 53 gehts dann zur Sache, was ich meinem Mitstreiter, den ich gerade überhole, mitteilen will. ”So. jetzt geht los”, meine ich. Er nur “What???” Ich: “Now the race begins” Er: “Ahh, yes”. Irgendwie freue ich mich auf den Berg, ich bin sehr gut drauf. Seit letztem Jahr weiß ich, dass ich am Berg immer viel überhole, was auch hier so ist. Dennoch sind die anderen stärker als bei anderen Rennen, muß sich wohl rumgesprochen haben, dass es hier bergig zugeht. Der Hügel zieht sich ohne Ende, wird am Ende immer steiler, es müssen auf einen Schlag über 250 Höhenmeter vernichtet werden. Oben angekommen bin ich immer noch gut drauf, es stehen einige Leute da, ich mache meine obligatorischen Späße mit den Zuschauern und freue mich einfach, dabei zu sein. Dann eine kurze aber erholsame Abfahrt nach Egg, im Ort Vollbremsung, da gefährliche Kurve und fast aus dem Stand geht es in den nächsten Hügel. Ca. 6 km Anstieg, dafür flacher. Ich probiere, im großen Blatt zu fahren, da ich guten Druck habe. Nun rausche ich förmlich an einigen vorbei, mein Tacho zeigt stellenweise 27 kmh. Oben an der Relax-Station (V2), was für ein Name, merke ich aber, dass ich hier doch unnötig den Helden gespielt habe, weil ich die letzten Meter ganz schön kämpfen muss. Geschafft ist der Pfannenstiel, so heißt der Berg, wir sind mittlerweile auf 700 Höhenmetern, immer noch nicht, es geht weiter leicht bergauf, bevor es rechts Richtung Abfahrt geht. Es nieselt ständig, von Regen kann man eigentlich nicht sprechen. Reicht aber, dass die Straße völlig nass ist und nun die absolute Hardcore-Abfahrt kommt. Keine Ahnung, wie steil die ist, geht aber an einigen Stellen sicher an die 15-20% ran. Ich als Schisser in Sachen Abfahrt bremse schon ganz oben und stelle mich auf wilde Überholmanöver ein. Was mich aber da erwartet, kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Schalten die Leute ihr Gehirn aus auf dem Rad? Ich habe 60 Sachen drauf, die Straße ist nass, nicht in bestem Zustand, die Strecke ist nicht zu 100% abgesperrt und kurvig. Die Leute schießen an mir vorbei, als wäre ich Fußgänger. 80 Sachen und mehr! Für sowas habe ich überhaupt kein Verständnis, kann nicht nachvollziehen, was da in den Köpfen vorgeht. Glücklicherweise bin ich in meinen Gedanken nicht alleine, neben mir schüttelt einer den Kopf und meint auch, dass das überhaupt nichts bringt. Die Abfahrt führt einen wieder bei km 70 auf die Seestraße, die man nach ca. km 8 passiert, nun wieder in Richtung Ziel. Wieder durch Zürich, endlich wieder Zuschauer, vorbei am Start Richtung Heartbreak Hill. Der Name ist Programm. Der härteste Anstieg, den ich bei meinen bisherigen Rennen in Frankfurt, Roth und hier erlebt habe. Eine richtige Rampe durchs Wohngebiet, ca. 1,5 km lang.
Hier ist die Hölle los, Tour de France-Stimmung. Ich sehe meine Mutter und meinen Bruder, die sind überrascht, dass ich schon da bin. Laut ausgedrucktem Zeitplan sollte ich wohl erst einige Minuten später vorbeikommen. Sorry, aber ich kann ja wohl schlecht Pause machen, nur um mich an den doofen Plan zu halten.
Laura ist weiter oben mitten in der Masse, sie springt rum und flippt aus und ich klatsche ab. Ich könnte explodieren vor Energie. Mich schüttelt eine Gänsehaut.
Später erfahre ich, dass mein Vater oben auf einer Mauer sitzt und Bilder schießt.
Oben angekommen schaue ich auf den Puls: 157. Gibts gar nicht, schaffe ich sonst nur bei den Hohler Bergintervallen. V3 und ab in die Abfahrt. Wieder gefährlich, an Baustellen vorbei, durchs Wohngebiet. Wieder auf die Seestraße Richtung Start und ab in die zweite Runde. Mein Schnitt sagt nach 90 km 36,3 km/h. Ich fahre die 439. schnellste erste Runde und gehe als 500. in die zweite Runde. Wieder raus aus Zürich Richtung Feldbach. Bei km 100 passiert das, was ich schon in der ersten Runde vermutet hatte. Es wird gelutscht, als gäbe es kein Morgen mehr. Größtenteils gar nicht beabsichtigt, es bilden sich einfach zu große Pulks. Anfangs versuche ich, den Massen zu entkommen. Kampfrichter sind nirgends zu sehen. Zwei die vorbeikommen, fahren geradeso vorbei, ohne etwas zu unternehmen. Ein weiterer versucht, sich der Sache anzunehmen, und pfeift einzelne zurück. Unser Pulk hat sicher die Stärke von 50-60 Mann. Was tun? Bremsen und die Leute einzeln fahren lassen? Hinter unserem Pulk war schon die nächste Gruppe zu sehen. Wir rollen in gemächlichem Tempo dahin, ich ärgere mich über den schlechteren Schnitt, und irgendwann gebe ich Gas um mir etwas Platz zu verschaffen aber Ruck-Zuck bildet sich der nächste Pulk. Keine Chance, der Sache zu entgehen. Das Feld zieht sich wie eine Kette am See entlang. Ich bekomme schlechtes Gewissen, weil ich sowas nie freiweillig machen würde. Andererseits wäre ich sicher schneller gewesen, wenn ich alleine gefahren wäre, dann dürfte sich das wieder ausgleichen. Die ganze Geschichte ging ca. 10-15 km lang, mal schlimmer, mal nicht, bis es wieder in die Hügel ging. Der Rest ist schnell erzählt, ich rechnete immer wieder meinen Durchschnitt nach Erreichen der jeweiligen Hügel hoch und fuhr ab jetzt eigentlich nur noch auf Durchschnitt und nicht nach Puls oder Tempo. Das habe ich im Training in den letzten Wochen des öfteren bei Tempo-Fahrten gemacht, und da konnte ich mich am besten motivierern. Bis zum richtigen Berg wusste ich nicht, ob ich den geplanten 33,6 er Schnitt schaffen würde. Ich hatte vor, oben einen 33,5 er Schnitt zu haben, den wieder Richtung 34er hochzufahren um beim zweiten Berg erneut eine 33,5 stehen zu haben, den auf dem flachen Stück zum Heartbreak Hill etwas zu verbessern, dort den Hill hochzupreschen und mit Glück den 33,6 er zu schaffen. Das ich mich am Berg quälen kann, wenns sein muß, habe ich in den letzten Wochen gemerkt und ab gings. Die Hauptberge teile ich mir immer in Teilstücke ein, so auch diesen, der aus fünf Teilen bestand. Noch vier, noch drei usw… Oben angekommen hatte ich statt der 33,5 ne 34,2 stehen. Wow. Abfahrt runter, 34,5. Zweiter Berg, alles was geht. Großes Blatt, Vollgas. Immer noch 34,1. Abfahrt runter und tatsächlich 34,5 kmh. So langsam wird mir klar, was ich da gerade für ne Zeit fahre. Ich habe 170 km hinter mir und jetzt kommt nur noch dieses Brett in Kilchberg.Ich rechne hoch und traue mich noch nicht, darüber nachzudenken, doch auf einmal kommt mir der Gedanke auf die Sub 10 machbar vor. Ich fühle mich noch sensationell stark, dass es mir fast Angst macht. Das kleine Tief Mitte der zweiten Runde, als ich auf einmal Magenknurren bekam, weil ich wohl doch noch mehr hätte essen müssen, war längst Geschichte. Gelutsche war nun keins mehr angesagt auf der Seestraße, das Feld hatte sich durch die Berge auseinandergezogen. Ich rolle an der Landiwiese vorbei und sehe wieder meine Familie und Laura. Es werden Handküsse verteilt.
Ein letztes Mal den Heartbreak Hill hoch, der auch noch erschreckend gut geht, obwohl es schon fies ist, so ein Teil nach 175 km hoch zu müssen.
Immer noch gut Leute da, ich bin immer noch zu Späßen aufgelegt, was die Zuschauer noch mehr animiert, anzufeuern. Die letzte Verpflegung lasse ich aus, es geht Richtung Wechselzone. Der Schnitt ist bei 34,2 kmh, als ich oben bin. Irre! Die letzten km vergehen wie im Flug und nach 5:11:02 Std., der 271. schnellsten zweiten Radrunde steige ich als 380. vom Rad.
Ein unglaublich starkes Niveau im Feld!
Split: 05:11:01 - 342. Gesamt
Wechsel 2
Geplante Zeit: 03:00 Minuten
Beim Einschieben in die Wechselzone sehe ich Laura und ich jubele, als hätte ich gerade die Welt gerettet. Als ich auf die Uhr schaue und die 6:24:09 sehe, wusste ich zu 100%, dass ich unter 10 Stunden finishen werde. Ich freue mich auf den Marathon wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Ich kanns immer noch nicht glauben und bin auf Wolke 7. Auf dem Weg zum Platz
mache ich einen Fehler, den ich eigentlich noch nie zuvor gemacht habe, mich aber nur ca. 10 Sekunden kostet. Ich öffne vor dem Deponieren des Rads den Helm, was ich mir nur mit meinem Endorphin-Aussschuß erklären kann. Dummerweise genau vor den Augen einer Kampfricherin, die mich gleich zurückpfeift und mich den Helm wieder schließen lässt. Das ganze 5 Meter von meinem Platz entfernt. Netterweise hält sie so lange mein Fahrrad, wie ich erst nach dem Rennen auf den Fotos sehe.
Rad einhängen, ich merke, dass die Zone noch relativ leer ist, was mich zusätzlich pusht. Hört sich blöd an, aber ich lasse mir in Anbetracht der guten Ausgangslage bewusst Zeit beim Wechseln,
setze mich sogar hin, um die Kompressionsstrümpfe anzuziehen und das Chip-Band über den Strümpfen neu zu befestigen. Garmin vom Lenker runtergenommen, Cap auf und los gehts.
Split: 2:07 Minuten - 347. Gesamt
42,2 km Laufen - Ein harter Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen
Raus aus der Wechselzone, Garmin auf Lap gedrückt, es erscheint “Starte Laufen” , wo ich ja schon mitten drin bin, den Garmin hinten in die Tasche gesteckt, die Polar von der linken an die rechte Hand gewechselt, Garmin dann an die linke Hand (Muß rechts sein, geht nicht anderster) und schon bin ich auf der ersten steilen Rampe, wo zu meiner Überraschung auch meine Eltern und Laura schon wieder stehen. Ich lege ein Tänzchen hin und jubele erneut.
Ich gehe als 366. auf die Laufstrecke. In der Wettkampfbesprechung wurde gewarnt, dass Urinieren am Streckenrand mit einer gelben Karte geahndet wird und ich mir sicher war, dass dies auch durchgezogen wird, habe ich es tatsächlich eingehalten, bis zur Laufstrecke. Jeder, der meine Kommunionsblase kennt, kann sich vorstellen, wie hart das war, ein paar Stunden einzuhalten. Ehrlich gesagt, ging es mir nicht um die gelbe Karte, vielmehr um die verlorene Zeit. Laufen lassen kam nicht in Frage, dafür war das Feld zu dicht beisammen und es regnete nicht stark genug
Nun aber das komische: Ich muß ohne Ende und es kommt nichts, sowas habe ich noch nie erlebt. Nach ner Weile tröpfelt es doch ein bißchen und ich kann durchstarten. Der erste km der Laufstrecke ist der anspruchsvollste des 10,5 km mehrmaligen Wendepunktkurses, der 4 x gelaufen werden muss. Mehrere Rampen warten hier auf den freudigen Läufer.
Meine Beine sind so frisch, als hätte ich heute noch nichts gemacht. Ich muß an den Tipp von Mark Allen denken, der in einer Ironman-Broschüre, die ich in St. Pölten gelesen habe, sagte, dass man sich bis km 120 auf der Radstrecke fühlen muss wie in einer Trainingseinheit und dass der Ironman erst bei km 25-30 auf der Laufstrecke beginnt. Recht hat er. Jedenfalls bin ich bewusst locker losgelaufen, ich hätte deutlich schneller laufen können. Ich versuchte, mein Tempo bei 4:55 min/km einzupendeln, war aber teilweise schneller, weil es mir einfach zu langsam war.
Ich muß dazusagen, dass ich im Training bis zu 36 km lange Läufe mit einem Tempo von 4:41 min/km gelaufen bin und da immer noch nicht Sense war. Ebenso bin ich nach harten Radfahrten, wo ich bis zu 34,5 kmh gefahren bin, noch locker hintendrauf 20 km im 4:50 er Schnitt gelaufen. So wurde die erste Runde zum lockeren Traben, was aber extrem schwer war. Ich wurde überholt, wollte aber auf gar keinen Fall den Fehler machen, jetzt Gas zu geben, um am Ende einzugehen und vielleicht um ein paar Sekunden die 10 Stunden-Marke zu verpassen. Es geht am See vorbei, durch die Promenade über schlechten Boden, teilweise Kopfsteinpflaster. Ein Teil der Strecke spielt sich an einer großen Tennisanlage ab, wo es wie in Frankfurt Runden-Bändchen gibt, wo eine Verpflegungsstelle beheimatet ist und es einen Wendepunkt gibt. Man läuft sogar direkt über die Terasse des Tennisheims, wo 2 Meter neben der Strecke Plastikstühle stehen. Und es wird Tennis gespielt, als gäbe es gerade keine 2000 Läufer und 10.000e Zuschauer. Die Österreicher sind ja schon crazy in Sachen Laufstrecke, aber die Schweizer schießen den Vogel ab, definitiv.
Nach jeder Runde läuft man wieder in das Zielgelände, was ja auch praktischerweise Startgelände, Wechselzone 1 und 2, Messe und eigentlich alles in einem ist. War die erste Runde noch recht leer, so füllt sich die Strecke nun zusehends. Mein Tempo liegt nach wie vor bei 4:55 min./km. Ich fühle mich nach wie vor klasse und muß mich bremsen. Laura und meine Family ist überall, Laura filmt, Stefan und mein Vater fotografieren und meine Mutter feuert an.
Das schöne an der Laufstrecke ist, man kann ohne Probleme auf jeder Runde bis zu 5x gesehen werden. Also dann auch die 2. Runde rumbekommen. Am See mache ich zu Salt ´n Pepa´s “Push ist” eine Tanzeinlage und bekomme Extra-Applaus. Am See ist der dritte Wendepunkt angebracht, nicht ganz einfach, aus vollem Lauf abzubremsen und wieder loszulegen. Nun wird das Vorbeikommen schon schwerer, die Wendepunktstrecke ist definitiv zu eng für alle Athleten. Auf einmal sehe ich Diana und Thomas Wollinger, die mich anfeuern, aber sehen, dass es mir gut geht, und wir kurz ein bisschen quatschen. Mir kommt Ronnie Schildnecht entgegen als führender Mann, der auch später gewinnen wird.
Wieder ins Zielgelände und ab in die 3. Runde.
Dass ich jetzt ein Tief erleben würde, wenn eins kommen sollte, darauf war ich vorbereitet. Das war in Frankfurt und in Roth so und das hat Mark Allen ja auch schon gesagt. Wie ein Mantra habe ich mir dutzende Male schon auf der zweiten Runde eingetrichtert : “Es wird nicht stehengeblieben”, “Nicht gehen”, “Auch nicht, wenn dirs richtig dreckig geht”. Bei km 25 wurde es tatsächlich etwas zäh und der Schnitt ging teilweise über 05:00 min/km. Aber es war immer noch genügend Puffer vorhanden. Selbst wenn ich für jeden km 05:10 min/km benötigen würde, käme ich mit unter 9:59 Std. rein. Nun nervte mich meine Brille und meine Kappe, die ich noch nie bis zum Ziel aufhaben konnte, Laura hat sie dann für mich eingesammelt.
Die Foto-Posen wurden kurzzeitig etwas verbissener, doch mein Standard-Mantra bezogen auf Triathlon “Nach jedem Tief kommt ein Hoch” sollte nicht lange auf sich warten. Spätestens bei km 34 und Überstreifen des letzten Bändchens, kam die Flüssigkeit zurück. Apropos Flüssigkeit, die Versorgung auf der Laufstrecke klappte super, ich hatte mir einen Plan zurechtgelegt, den ich auch größtenteils umsetzen konnte. Eine Verpflegung Cola, eine Gel mit Wasser, eine Wasser und dann wieder von vorne. In der 4. Runde konnte ich kein Gel mehr sehen, vor allem kein Vanille, denn ich hatte da schon gut 15 Stück intus. Auf der letzten Runde war es dann rammelvoll, ich war nur noch am überholen. Rechts, links, mittendurch, es war richtig anstrengend. Das einzige, was mich nun hätte noch stoppen können, wäre ein Sturz gewesen und so passte ich doppelt auf, wo ich hintrat. Als ich dann bei km 38 war, fiel mir ein, dass jetzt eigentlich der Zeitpunkt gekommen wäre, wo mein ein bißchen Gas geben könnte und so zog ich noch mal an, was aber wegen der Masse fast unmöglich war. Ich habe mehr als einen Ellenbogen abbekommen. Zu diesem Punkt habe ich mit einer Endzeit um die 9:57 gerechnet, was aber nach 10 Stunden so eine Sache ist mit dem Rechnen. Beim Schild 40,5 km habe ich dann noch mal einen richtigen Endspurt hingelegt und bin knapp über 04:00 min/km gelaufen, ein letztes Mal um den Wendepunkt und nein, nicht in die 5. Runde, sondern rein in den Zielkanal, ich habe ja alle vier Bändchen. Schon am Wendepunkt bin ich am Jubeln, ich reiße die Arme in die Luft und kann es nicht fassen. Der Zielkanal ist komplett leer, ich kann in Ruhe jubeln.
Ich kriege mal wieder gar nicht mit, dass Laura und meine Eltern direkt vor dem Ziel stehen und sich mit mir freuen. Ich mache einen Riesensprung, der leider nirgends festgehalten wurde, (meiner Meinung nach aber die größte Leistung des ganzen Tages darstellte) über die Ziellinie und habe ein Grinsen bis Bagdad.
Als 280. finishe ich meinen dritten Ironman.
Split: 03:28:45 - 203. Gesamt
Gesamtzeit: 09:55:01 - 280. Gesamt, 70. AK 30
Ich schaue auf die Uhr und sehe die 09:55:noch was. Ich klatsche alle Finisher nach mir ab, als würde ich sie schon Jahre kennen. Noch ein paar Fotos und dann ab in den Athletes Garden. Erst mal rein in den Whirlpool, dann Dusche, Massage, Urkunde drucken, Finisher-Shirt abholen, Essen und Trinken, Rad abholen, unzählige Small Talks, mit dem Rad Richtung Hotel fahren, an der Strecke noch einige Zeit die anderen Athleten anfeuern, dann ins Hotel, Nachbereitungen treffen und gleich mit Diana und Thomas zum Essen verabreden. Wir sind in ein Restaurant nähe der Laufstrecke gegangen, wo selbst um kurz vor 23:00 Uhr nach 16 Stunden noch Triathleten unterwegs waren. Unglaublich! Müde wurde ich dann auch langsam, schlafen konnte ich natürlich nicht so gut.
Montag, 13.07.09
Wie auch schon im Ziel am Vorabend, fühle ich mich richtig gut, Lediglich im Nachen- und Rückenbereich tut es etwas weh, jedoch in den Beinen merke ich kaum etwas. Verrückt, vor 7 Jahren bei meinem ersten Halbmarathon war ich nach dem Rennen nicht ansprechbar und konnte 2 Tage nicht richtig laufen. An was sich der Körper alles gewöhnen kann, wenn er muß. Morgens stand noch der Brunch, wieder im Schützenhaus auf dem Plan. Hier gabs dann auch die Siegerehrung und die Slot-Vergabe für Hawaii. Es wurden fast alle Plätze angenommen, nur wenige wurden verneint. Gegen Nachmittag haben wir dann die Heimreise angetreten und haben uns auf dem Heimweg noch den Rheinfall in Schaffhausen angeschaut.
Die unzähligen Treppen und Höhenmeter hätte ich zwar nicht mehr unbedingt gebraucht, aber wer ein Ironman sein will, muß auch da durch.
Fazit: Ohne Worte, mit dieser Zeit hätte ich niemals gerechnet. Unter 10:10 Stunden wollte ich bleiben, mehr hatte ich aufgrund der harten Radstrecke nicht erwartet. Beim Schwimmen muß ich noch einiges machen, hier habe ich wahrscheinlich noch das größte Potential. Aber auch auf dem Rad sehe ich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Ebenso beim Laufen, wenn ich meine Grundschnelligkeit beim nackten Marathon weiter verbessere, dürften da noch gut 10 Minuten drin sein. Bleibt abzuwarten, was ich bei meinem zweiten Saisonhighlight in Köln beim Cologne 226 am 06.09. erreichen werde, eigentlich war erst dort diese Zeit geplant. Nun kann ich dort ohne Druck versuchen, einen guten Wettkampf abzuliefern.
Jetzt wird erst mal ordentlich regeneriert und dann gehts schon nächsten Sonntag wieder los mit dem Triathlon in Niedernberg und eine Woche später gehts nach Italien in den Urlaub, wo ich auch sicher die eine oder andere Trainingseinheit einbauen werde…