Ironman Switzerland 2009 - Der ausführliche Bericht mit Bildern

July 15th, 2009

Freitag, 10.07.09

Anreise morgens nach Zürich. 13:00 Uhr Wettkampfbesprechung an der Landiwiese. Danach Startunterlagen abholen, obligatorischer Rundgang auf der Messe, Small-Talk usw.

Danach mit dem Auto die 90 km-Radrunde abgefahren. Wir waren ja schon 3 Wochen zuvor in Zürich, um die Strecke mit dem Rad abzufahren, doch da herrschte Roth-Wetter und das wollte ich mir nicht antun. Also zum dritten Mal mit dem Auto abgefahren und dieses Mal haben die Hügel eingebaut, die vor 3 Wochen noch nicht da waren, ohne jeden Zweifel. Im Nachhinein war ich mir nicht sicher, ob das eine gute Idee war, denn die Strecke verschafft ordentlich Respekt. Egal, dachte ich mir, die anderen müssen da auch drüber und so schlecht bin ich ja auch wieder nicht.

Anschließend fuhren wir gleich zur Welcome-Party ins Schützenhaus Albisgütli. Hoch oben auf dem Herrliberg über den Dächern Zürichs gelegen mit einem wunderschönen Panoramablick. Ein riesiges Restaurant im traditionellen Stil. Es gibt ein 4-Gänge-Menü (Salat, Pasta, Geschnetzeltes mit Gemüse und Kartoffeln, Kuchen) und u.a. Erdinger Alkoholfrei. Das ganze mit Bedienung und allem pipapo. Wir sitzen unbewusst an dem Veranstalter-Tisch, mit dem Ironman-Sprecher, Mitarbeitern des Veranstalters selbst, den Mädels, die das offizielle Maskottchen darstellen,

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dem Alphorn-Kudi undundund. Großes Kino auf jeden Fall, wir sind mitten drin statt nur dabei. Nebenbei wird das offizielle IM-Video 2008 auf Großbildleinwand gezeigt, Gänsehaut pur. Auch weil die Armen letztes Jahr durch die Hölle mussten, das Ganze hätte ebenso in Roth gewesen sein können. Danach ab ins Hotel, mitten in Zürich, wie der Name Hotel Central schon sagt und schlafen.

Samstag, 11.07.09

Die Nacht war zwar nicht schlecht, doch ich hätte gerne etwas länger geschlafen. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo Laura schon sehr gut einschätzen kann, wann ich mit meiner Nervosität alleine sein will (muß). Sie geht shoppen. Die üblichen Vorbereitungen treffen (Material ein weiteres mal checken, Startnummer und Chip testen, Helm bekleben, Bekleidung zurechtlegen, Verpflegung aussuchen, Garmin laden undundund) und ausführlich ums Rad kümmern. Und jetzt sollte der Hammer kommen. Ich hatte mein Rad wie immer vor großen Rennen ausführlich professionell checken lassen und alles war soweit in Ordnung. Nur hatte ich das Xentis-Vorderrad da nicht dabei, weil ich aus Zeitgründen mein Trainingsvorderrad draufgelassen hatte. Ein Fehler, man lernt ja nie aus. In der Tiefgarage des Hotels habe ich dann noch mal das Reifen-Wechseln mit der Gaskartusche geübt und es hat auch gut geklappt. Noch mal Luft mit der Standpumpe hinterher und mich dann um Trinksystem und Tacho gekümmert. Auf einmal schießt jemand mit einem Revolver, dachte ich zumindest. Vorderreifen geplatzt. Gibts gar nicht, denke ich mir, ist mir noch nie passiert. Gut, dass ich am Mittwoch 3 Schläche gekauft hatte. Wieder gewechselt, wieder aufgepumpt, wieder um Tacho gekümmert und schon wieder schießt jemand wild um sich. Glücklicherweise war ich mit dem Ohr direkt am Reifen, so dass ich mich auch noch 10 Minuten später durch das angenhme Piepsen im Ohr noch sehr lebhaft daran erinnern konnte. Gut, dass ich am Mittwoch 3 Schläuche gekauft hatte. Ich erinnere mich daran, dass es auf dem Gelände einen Bike-Doktor gibt, an den ich mich jetzt wenden werde. Aber bitte den Chefarzt!! Ich pumpe wieder auf, diesmal nur 6 Bar, ziehe meine Laufklamotten an und fahre mit dem Rad zum 3,5 km entfernten Start. Dort ist von 15:30 - 16:30 Uhr Bike Check Inn für meine Startnummer 557. Beim Bike-Doktor ist die Hölle los, wahrscheinlich ein Virus oder so. Der unsympathische Scott-Mann nimmt meinen Reifen runter, schaut nach dem Schlauch, montiert das Ganze wieder und schüttelt mit dem Kopf. Mit dem Reifen würde er nicht fahren, meint er. Der läuft unsauber und er kann für nichts garantieren. Dass er nicht sauber läuft, ist mir beim Reifenwechsel in der Tiefgarage das erste Mal aufgefallen. Er empfiehlt mir, neue Reifen draufzumachen und hält mir irgendwelche für 160 Euro hin. Schweiz halt. Ich schaue mich auf der Messe um und entdecke einen Stand, wo sie Continental verkaufen. Ich handle einen Preis aus inkl. Montage (Ich rühre heute keinen Schlauch mehr an) aus und gehe zurück zum Bike-Doktor. Als ich mein Rad abhole, sehe ich, dass das Vorderrad platt ist und das Ventil abgerissen ist. Der unsympathische Hektiker hat meinen dritten Schlauch vernichtet und meint noch scheinheilig, ich muß einen neuen draufziehen, weil das Ventil zu kurz wäre. Vollidiot !!! Gut, dass ich 3 Schläuche gekauft hatte. Ich lasse mir die neuen Reifen beim Conti-Stand draufziehen und werde langsam etwas relaxter. Das Rad ist fertig und als ich es übernehmen will, ist der Vorderreifen platt. Ich bin kurz vorm durchdrehen. Der Monteur entschuldigt sich für seinen Fehler und zieht den fünften Schlauch innerhalb von 3 Stunden auf. Ich checke ein und vergesse meine Aufregung etwas angesichts meiner sehr guten Position in der Wechselzone. Direkt vor dem Mittelgang, das zweite Rad von außen. Kein Streß mit Durchkommen oder Reihe zählen. Klasse. Ich treffe mich mit Laura und wir joggen zusammen Richtung Hotel auf der Laufstrecke. Mensch, ist das Langsam-laufen anstrengend. Duschen, Pasta Essen beim Italiener, erstaunliche Relaxtheit und sogar Vorfreude. Um 21:30 Uhr bin ich im Bett und kann überraschend gut schlafen.

Sonntag, 12.07.09

04:00 Uhr. Wecker klingelt. Der Moment, wo ich zu 50 % sagen kann, ob das heute was wird. Ich muß grinsen und denke mir: Geil, Ironman-Tag. Die restlichen 50 % merke ich, wenn ich aufstehe und 3 Schritte gelaufen bin. Sehr gute Beine. Das wird was! Die Nacht hatte ich Kompressions-Strümpfe an, mittlerweile schwöre ich ja drauf. Frühstück. Guarana-Tee, Iso und Honig-Toast. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich 6 oder 8 Scheiben gegessen habe. Ich glaube aber 8, denn ich war mehr als satt, so dass ich meine obligatorische Banane nicht mehr runterbekommen habe und meinen Power Bar Cookies & Cream verschieben musste. Getränke vorbereitet, und um 05:00 Uhr Abmarsch zum HBF, um mit dem Zug zum Start zu fahren, da es keinerlei Möglichkeit gab, mit dem Auto anzureisen. Es stinkt nach Alkohol, überall müde Betrunkene. Um 5:30 Uhr bin ich in der Wechselzone, es ist noch wenig los, keine Musik, die aufgehende Sonne versteckt sich hinter Wolken. Der magischste Moment bei einem Ironman. Ich weiß, das der Vergleich pervers ist, aber ich muß immer dran denken, dass es sich wohl so anfühlen muß, wenn man in den Krieg zieht. Verabschiedungsszenen, als würde man sich das letzte Mal im Leben sehen und diese Anspannung in den Gesichtern. Folie vom Rad runterziehen und den Reifen checken. Yesss. Luft ist drin. Alles wird gut, Peter. Innerhalb von Minuten alles vorbereitet und zurückgezogen. Es wird richtig voll und hektisch. Der Schwimmstart ist ca. 200 Meter von der Wechselzone entfernt. Wir laufen in die Richtung, ich will noch etwas die Ruhe genießen, und vor allem in Ruhe meinen Cookies & Cream naschen.

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 Ekelhaft. Ich gehe noch mal zum Rad und schalte meinen Garmin ein. Dann muß alles schnell gehen, Neo an, einreiben, Pulsgurt, Brille, Kappe und los.

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Einschwimmen ist nicht, um 6:30 Uhr muß jeder das Wasser verlassen habe. Darauf hatte ich keine Lust. Der Startbereich ist gegliedert nach Frauen, die links starten dürfen und Männern, die rechts starten. Das Feld zieht sich in ca. 200 Meter Breite und sammelt sich am Strandbad Mythenquai, einem Strandbad, wie der Name schon sagt.

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Auf einmal heißt es, noch 2,5 Minuten bis zum Start und alle gehen nach und nach ins Wasser, was vorher nicht erlaubt war. Alle schwimmen wie die Irren zur Startlinie, ca. 100 Meter vom Ufer entfernt. Irre, dieses Gefühl. Aber mulmig.

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Vor diesem Massenstart hatte ich schon das ganze Jahr über Bammel, weil ich das in dieser Größenordnung nur einmal beim IM Frankfurt 2006 mitgemacht habe. Aber das es so heftig kommen wird, hatte ich mir nicht erträumt.

 Das Rennen

3,8 km Schwimmen - Die Hölle

Geplante Zeit: 01:09:00 Std.

Wie aus dem Nichts der Startschuß um 07:00 Uhr. Es sind noch nicht einmal alle Athleten an der Startlinie, da geht das Gewühle schon los. Was sich in diesen Sekunden in meinem Kopf abspielt, kann nur einer nachvollziehen, der das schon mitgemacht hat. Ich fange an zu kraulen, bekomme sofort eine volle Ladung Wasser in den Mund und kriege keine Luft mehr. Um mich herum nur noch Gekeule und ich schwimme Brust. Von hinten und der Seite dann Schläge und ich muss wieder kraulen. Das Wasser ist so aufgewühlt, dass ich keine Luft schnappen kann und ich zapple herum wie ein Nichtschwimmer kurz vor dem Ertrinken. Ich habe tatsächlich Überlebensangst. Ich frage mich, warum ich mir das antue und überlege abzubrechen ( nach 10 Sekunden !!!). Ich habe wirklich Bedenken, hier nicht mehr heil rauszukommen und suche nach Kanus oder Booten. Nirgendwo eins in Sicht. Völliger Wahnsinn, denke ich mir und werde noch unruhiger. Heute kann ich sagen, wenn ein Boot in der Nähe gewesen wäre, hätte ich mich festgehalten und wäre dafür disqualifiziert worden. Also versuche ich irgendwie voranzukommen, irgendwie einen Rhythmus zu finden. Zeitvorstellungen sind mir so egal wie nochwas, nur hier lebend raus kommen. Noch dazu kommt, dass ich durch die Panik überhaupt nicht weiß, wo ich hinschwimmen soll. Ist mir auch völig egal in dem Moment, hauptsache Ruhe finden und hoffen, dass sich das Wasser beruhigt. Irgendwie wird es dann auch besser, mein Puls beruhigt sich, das Wasser scheinbar auch und ich kann an schwimmen denken. So langsam kommt mir in den Sinn, warum ich überhaupt hier bin und der Wettkampfgedanke kommt hoch. Ach ja, da war ja was mit 3,8 km Schwimmen und so. Auf einmal dreht sich ein Schalter um. Scheiße, die Bestzeit, Gas geben. Dass ich die geplante Schwimmzeit nicht schaffen werde, war mir jetzt schon klar. Dafür laufe ich dann eben 2 Minuten schneller, denke ich mir. Ich schaue mich das erste Mal um und suche die Boje. Nichts zu sehen. Egal, weiter gehts, immer der Masse nach.

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Irgendwann sehe ich sie dann und schwimme gezielt. Kurz vor der Boje der befürchtete Massenstau. Ca. 100 Triathleten, alle mit Zeitvorstellung, einen halben Kilometer vom Ufer entfernt in 400 Meter tiefem Wasser auf engstem Raum und alle wollen den kürzesten Weg. Alles steht, kein Vorankommen mehr. Von hinten wird geschoben, totzdem sind die Leute relativ rücksichtsvoll, ich rufe “Langsam, Leute” und einer neben mir ruft was ähnliches auf Französisch und es wirkt tatsächlich. Geduldiges Warten wie an der Supermarktkasse. Es geht weiter Richtung zweite Boje und das Feld verliert sich allmählich.

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Ich finde meinen Rhythmus und die Panik ist völlig vergessen. Nach ca. 1,8 km ist die erste Runde vorbei und es geht als Landgang über eine kleine vorgelagerte Insel.

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 Geplant waren 32:00 Minuten, ich steige nach 33:19 min. und als 802. Gesamt raus.

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Damit hatte ich gerechnet.

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Wieder rein ins Wasser und immer besser gefühlt.

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Es war von den Zuschauern her die Hölle los.

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Auf einmal kann ich sogar drauf achten, wie klar der Zürichsee ist, man kann sogar die Augenfarbe der Mitschwimmer erkennen, wenn man will. Und das ganze Gewächs, das vom Boden hochwächst, wie im Mainparksee in Mainaschaff. Der Rest ist schnell erzählt, ich versuche mich lang zu machen, zu gleiten und wenig mit den Beinen zu schlagen. Die Zeit ist eh futsch, jetzt nur Kräfte sparen.

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 Kurz vor dem Ausstieg dann kräftig mit den Beinen schlagen, um das Blut wieder in die Beine zu bekommen. Die extrem steile Ausstiegsrampe hoch,

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die Helfer ziehen mich raus und schon bin ich im Trocknen. Links neben mir höre ich Laura schreien. Tut gut. Ein Blick auf die Uhr, irgendwas mit 1:11, wie ich es mir gedacht hatte. An dieser Stelle bin ich 758 von ca. 2.200 Startern. Jetzt kommt meine beste Disziplin, der erste Wechsel.

Split: 1:11:22 Std. - 758. Gesamt

Wechsel 1

Geplante Zeit: 03:00 Minuten

Vollgas laufen, Brille hoch, Neo öffnen, bis zur Hüfte runterziehen und schon am Fahrrad. Neo aus, nicht ganz so schnell wie sonst, währenddessen Brille auf, Helm auf, in Startnummerband gestiegen, Radschuhe an, Rad geschnappt und los.

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Vollgas laufen. Stau am Radstart. Waren wohl doch einige genauso schlecht wie ich, denke ich mir. Ich steige auf, drücke den Garmin auf Start und es erscheint “Starte Radfahren” . Alles klar, mache ich. In der Ergebnisliste sehe ich, dass ich den 148. schnellsten Wechsel hingelegt habe.

Split: 01:46 Min. - 148. Gesamt

180 km Rad - Mein Meisterstück

Geplante Zeit: 05:24:00 Stunden

Ich stieg als 671. aufs Rad, also habe ich 87 Starter in der Wechselzone überholt. Am meisten liebe ich den Triathlon-Sport, da er mir mit zunehmender Dauer immer mehr entgegen kommt, je länger, desto besser. Schwimmen ist für mich eigentlich nur notwendiges Übel und Rad nur Überbrückung zum eigentlichen Show-Down, dem Marathon, wo sich die Spreu vom Weizen trennt, wie man so schön sagt. Also bin ich erst mal froh, auf dem Rad zu sitzen und mich etwas von der Hektik auszuruhen. Gleich ein Gel aus Eigenbedarf reingedrückt und Iso getrunken. Die ersten 28 km sind brettflach, es geht rein nach Zürich, immer am See entlang, auf die Nordseite des Sees. Zwei kleine Erhebungen, kein Thema. Mein Plan: Ruuuuiiisch, jaaanz ruiiisch, et läufttttt. Puls schön unten lassen (Vorgabe: Nicht über 135), nicht von den Massen, die mich überholen, nervös machen lassen und eigenes Rennen fahren. Windschatten ist kein Problem, es wird anständig gefahren. Das Wetter ist angenehm, ca. 18 °C. Es waren ca. 23-25° C gemeldet und kein Regen. Auf einmal fängt es an zu regnen. Ich denke mir, das kann doch nicht wahr sein, warum kann ich nicht einmal einen Iroman ohne Regen auf dem Rad verbringen? Bei km 28 verlassen wir kurz vor Rapperswil die See-Straße in Feldbach am Kreisel und durchfahren die erste Verpflegungs-Stelle. Schlecht gemacht, nur jeweils ein Helfer für Wasser, Iso und Cola und zu wenige für die Futtereien. Es ist sehr schwierig, etwas zu bekommen und ich werde im Verlauf des Rennens nicht immer Glück haben, also bunkere ich, was ich bekomme, aber das ist nicht viel. Der erste Hügel geht noch gemächlich ins Hinterland, ich bin gespannt, wie er sich auf dem Rad anfühlt. Ich habe gute Beine und komme gut hoch. Der Puls spielt auch mit und geht nur auf ca. 144 hoch. Die Strecke schlängelt sich nun auf ca. 10 km Länge immer leicht bergauf, dann kommt die erste kleine Bergabpassage, die ich sehr begrüße. Dann kommt diese verrückte Stelle, wo es durch eine kleine Siedlung mit einer winzigen km 30-Straße geht, obwohl um den Ort herum eine gut ausgebaute, wenig befahrene Straße führt. Hier sind zwei Rampen drin, die ich super hochkomme. Ich komme immer besser in Tritt und habe an dieser Stelle noch einen knappen 38er Schnitt, ohne hart gefahren zu sein. Aber die Berge kommen ja noch. Bis km 50 geht es wellig weiter mit machbaren Steigungen. Dann kommt eine der gefährlichen Abfahrten, bei der man aus vollem Schwung abbremsen muß, auf eine dem Gegenverkehr nicht gesperrte Hauptstraße bergauf fährt um dann wieder links abzubiegen. Überhaupt muß man sagen, dass die Strecke in keinem! Bereich voll gesperrt war, in einer Abfahrt musste ich einem Auto hinterherfahren und konnte nicht überholen. Für einen Ironman ein absolutes Unding! Dies wurde aber in der Wettkampfbesprechung angekündigt, dass dies in der Schweiz nicht möglich ist. Komische Vögel, die Schweizer, muß man schon sagen. Na ja, trotzdem ist alles gut gegangen. Die Strecke übrigens ist wunderschön, teilweise mit Blick auf die schneebedeckten Alpen

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und in einer schönen Abfahrt ein sensationeller Blick auf den Zürichsee. Hatte ich mir vorgenommen, die Natur zu genießen und dafür ein Auge zu haben, egal wie hart es wird. Bei km 53 gehts dann zur Sache, was ich meinem Mitstreiter, den ich gerade überhole, mitteilen will. ”So. jetzt geht los”, meine ich. Er nur “What???” Ich: “Now the race begins” Er: “Ahh, yes”. Irgendwie freue ich mich auf den Berg, ich bin sehr gut drauf. Seit letztem Jahr weiß ich, dass ich am Berg immer viel überhole, was auch hier so ist. Dennoch sind die anderen stärker als bei anderen Rennen, muß sich wohl rumgesprochen haben, dass es hier bergig zugeht. Der Hügel zieht sich ohne Ende, wird am Ende immer steiler, es müssen auf einen Schlag über 250 Höhenmeter vernichtet werden. Oben angekommen bin ich immer noch gut drauf, es stehen einige Leute da, ich mache meine obligatorischen Späße mit den Zuschauern und freue mich einfach, dabei zu sein. Dann eine kurze aber erholsame Abfahrt nach Egg, im Ort Vollbremsung, da gefährliche Kurve und fast aus dem Stand geht es in den nächsten Hügel. Ca. 6 km Anstieg, dafür flacher. Ich probiere, im großen Blatt zu fahren, da ich guten Druck habe. Nun rausche ich förmlich an einigen vorbei, mein Tacho zeigt stellenweise 27 kmh. Oben an der Relax-Station (V2), was für ein Name, merke ich aber, dass ich hier doch unnötig den Helden gespielt habe, weil ich die letzten Meter ganz schön kämpfen muss. Geschafft ist der Pfannenstiel, so heißt der Berg, wir sind mittlerweile auf 700 Höhenmetern, immer noch nicht, es geht weiter leicht bergauf, bevor es rechts Richtung Abfahrt geht. Es nieselt ständig, von Regen kann man eigentlich nicht sprechen. Reicht aber, dass die Straße völlig nass ist und nun die absolute Hardcore-Abfahrt kommt. Keine Ahnung, wie steil die ist, geht aber an einigen Stellen sicher an die 15-20% ran. Ich als Schisser in Sachen Abfahrt bremse schon ganz oben und stelle mich auf wilde Überholmanöver ein. Was mich aber da erwartet, kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Schalten die Leute ihr Gehirn aus auf dem Rad? Ich habe 60 Sachen drauf, die Straße ist nass, nicht in bestem Zustand, die Strecke ist nicht zu 100% abgesperrt und kurvig. Die Leute schießen an mir vorbei, als wäre ich Fußgänger. 80 Sachen und mehr! Für sowas habe ich überhaupt kein Verständnis, kann nicht nachvollziehen, was da in den Köpfen vorgeht. Glücklicherweise bin ich in meinen Gedanken nicht alleine, neben mir schüttelt einer den Kopf und meint auch, dass das überhaupt nichts bringt. Die Abfahrt führt einen wieder bei km 70 auf die Seestraße, die man nach ca. km 8 passiert, nun wieder in Richtung Ziel. Wieder durch Zürich, endlich wieder Zuschauer, vorbei am Start Richtung Heartbreak Hill. Der Name ist Programm. Der härteste Anstieg, den ich bei meinen bisherigen Rennen in Frankfurt, Roth und hier erlebt habe. Eine richtige Rampe durchs Wohngebiet, ca. 1,5 km lang.

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Hier ist die Hölle los, Tour de France-Stimmung. Ich sehe meine Mutter und meinen Bruder, die sind überrascht, dass ich schon da bin. Laut ausgedrucktem Zeitplan sollte ich wohl erst einige Minuten später vorbeikommen. Sorry, aber ich kann ja wohl schlecht Pause machen, nur um mich an den doofen Plan zu halten.

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Laura ist weiter oben mitten in der Masse, sie springt rum und flippt aus und ich klatsche ab. Ich könnte explodieren vor Energie. Mich schüttelt eine Gänsehaut.

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Später erfahre ich, dass mein Vater oben auf einer Mauer sitzt und Bilder schießt.

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Oben angekommen schaue ich auf den Puls: 157. Gibts gar nicht, schaffe ich sonst nur bei den Hohler Bergintervallen. V3 und ab in die Abfahrt. Wieder gefährlich, an Baustellen vorbei, durchs Wohngebiet. Wieder auf die Seestraße Richtung Start und ab in die zweite Runde. Mein Schnitt sagt nach 90 km 36,3 km/h. Ich fahre die 439. schnellste erste Runde und gehe als 500. in die zweite Runde. Wieder raus aus Zürich Richtung Feldbach. Bei km 100 passiert das, was ich schon in der ersten Runde vermutet hatte. Es wird gelutscht, als gäbe es kein Morgen mehr. Größtenteils gar nicht beabsichtigt, es bilden sich einfach zu große Pulks. Anfangs versuche ich, den Massen zu entkommen. Kampfrichter sind nirgends zu sehen. Zwei die vorbeikommen, fahren geradeso vorbei, ohne etwas zu unternehmen. Ein weiterer versucht, sich der Sache anzunehmen, und pfeift einzelne zurück. Unser Pulk hat sicher die Stärke von 50-60 Mann. Was tun? Bremsen und die Leute einzeln fahren lassen? Hinter unserem Pulk war schon die nächste Gruppe zu sehen. Wir rollen in gemächlichem Tempo dahin, ich ärgere mich über den schlechteren Schnitt, und irgendwann gebe ich Gas um mir etwas Platz zu verschaffen aber Ruck-Zuck bildet sich der nächste Pulk. Keine Chance, der Sache zu entgehen. Das Feld zieht sich wie eine Kette am See entlang. Ich bekomme schlechtes Gewissen, weil ich sowas nie freiweillig machen würde. Andererseits wäre ich sicher schneller gewesen, wenn ich alleine gefahren wäre, dann dürfte sich das wieder ausgleichen. Die ganze Geschichte ging ca. 10-15 km lang, mal schlimmer, mal nicht, bis es wieder in die Hügel ging. Der Rest ist schnell erzählt, ich rechnete immer wieder meinen Durchschnitt nach Erreichen der jeweiligen Hügel hoch und fuhr ab jetzt eigentlich nur noch auf Durchschnitt und nicht nach Puls oder Tempo. Das habe ich im Training in den letzten Wochen des öfteren bei Tempo-Fahrten gemacht, und da konnte ich mich am besten motivierern. Bis zum richtigen Berg wusste ich nicht, ob ich den geplanten 33,6 er Schnitt schaffen würde. Ich hatte vor, oben einen 33,5 er Schnitt zu haben, den wieder Richtung 34er hochzufahren um beim zweiten Berg erneut eine 33,5 stehen zu haben, den auf dem flachen Stück zum Heartbreak Hill etwas zu verbessern, dort den Hill hochzupreschen und mit Glück den 33,6 er zu schaffen. Das ich mich am Berg quälen kann, wenns sein muß, habe ich in den letzten Wochen gemerkt und ab gings. Die Hauptberge teile ich mir immer in Teilstücke ein, so auch diesen, der aus fünf Teilen bestand. Noch vier, noch drei usw… Oben angekommen hatte ich statt der 33,5 ne 34,2 stehen. Wow. Abfahrt runter, 34,5. Zweiter Berg, alles was geht. Großes Blatt, Vollgas. Immer noch 34,1. Abfahrt runter und tatsächlich 34,5 kmh. So langsam wird mir klar, was ich da gerade für ne Zeit fahre. Ich habe 170 km hinter mir und jetzt kommt nur noch dieses Brett in Kilchberg.Ich rechne hoch und traue mich noch nicht, darüber nachzudenken, doch auf einmal kommt mir der Gedanke auf die Sub 10 machbar vor. Ich fühle mich noch sensationell stark, dass es mir fast Angst macht. Das kleine Tief Mitte der zweiten Runde, als ich auf einmal Magenknurren bekam, weil ich wohl doch noch mehr hätte essen müssen, war längst Geschichte. Gelutsche war nun keins mehr angesagt auf der Seestraße, das Feld hatte sich durch die Berge auseinandergezogen. Ich rolle an der Landiwiese vorbei und sehe wieder meine Familie und Laura. Es werden Handküsse verteilt.

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Ein letztes Mal den Heartbreak Hill hoch, der auch noch erschreckend gut geht, obwohl es schon fies ist, so ein Teil nach 175 km hoch zu müssen. 

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Immer noch gut Leute da, ich bin immer noch zu Späßen aufgelegt, was die Zuschauer noch mehr animiert, anzufeuern. Die letzte Verpflegung lasse ich aus, es geht Richtung Wechselzone. Der Schnitt ist bei 34,2 kmh, als ich oben bin. Irre! Die letzten km vergehen wie im Flug und nach 5:11:02 Std., der 271. schnellsten zweiten Radrunde steige ich als 380. vom Rad.

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 Ein unglaublich starkes Niveau im Feld!

 Split: 05:11:01 - 342. Gesamt

Wechsel 2

Geplante Zeit: 03:00 Minuten

Beim Einschieben in die Wechselzone sehe ich Laura und ich jubele, als hätte ich gerade die Welt gerettet. Als ich auf die Uhr schaue und die 6:24:09 sehe, wusste ich zu 100%, dass ich unter 10 Stunden finishen werde. Ich freue mich auf den Marathon wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Ich kanns immer noch nicht glauben und bin auf Wolke 7. Auf dem Weg zum Platz

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mache ich einen Fehler, den ich eigentlich noch nie zuvor gemacht habe, mich aber nur ca. 10 Sekunden kostet. Ich öffne vor dem Deponieren des Rads den Helm, was ich mir nur mit meinem Endorphin-Aussschuß erklären kann. Dummerweise genau vor den Augen einer Kampfricherin, die mich gleich zurückpfeift und mich den Helm wieder schließen lässt. Das ganze 5 Meter von meinem Platz entfernt. Netterweise hält sie so lange mein Fahrrad, wie ich erst nach dem Rennen auf den Fotos sehe.

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Rad einhängen, ich merke, dass die Zone noch relativ leer ist, was mich zusätzlich pusht. Hört sich blöd an, aber ich lasse mir in Anbetracht der guten Ausgangslage bewusst Zeit beim Wechseln,

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setze mich sogar hin, um die Kompressionsstrümpfe anzuziehen und das Chip-Band über den Strümpfen neu zu befestigen. Garmin vom Lenker runtergenommen, Cap auf und los gehts.

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 Split: 2:07 Minuten - 347. Gesamt

42,2 km Laufen - Ein harter Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen

Raus aus der Wechselzone, Garmin auf Lap gedrückt, es erscheint “Starte Laufen” , wo ich ja schon mitten drin bin, den Garmin hinten in die Tasche gesteckt, die Polar von der linken an die rechte Hand gewechselt, Garmin dann an die linke Hand (Muß rechts sein, geht nicht anderster) und schon bin ich auf der ersten steilen Rampe, wo zu meiner Überraschung auch meine Eltern und Laura schon wieder stehen. Ich lege ein Tänzchen hin und jubele erneut.

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Ich gehe als 366. auf die Laufstrecke. In der Wettkampfbesprechung wurde gewarnt, dass Urinieren am Streckenrand mit einer gelben Karte geahndet wird und ich mir sicher war, dass dies auch durchgezogen wird, habe ich es tatsächlich eingehalten, bis zur Laufstrecke. Jeder, der meine Kommunionsblase kennt, kann sich vorstellen, wie hart das war, ein paar Stunden einzuhalten. Ehrlich gesagt, ging es mir nicht um die gelbe Karte, vielmehr um die verlorene Zeit. Laufen lassen kam nicht in Frage, dafür war das Feld zu dicht beisammen und es regnete nicht stark genug :-) Nun aber das komische: Ich muß ohne Ende und es kommt nichts, sowas habe ich noch nie erlebt. Nach ner Weile tröpfelt es doch ein bißchen und ich kann durchstarten. Der erste km der Laufstrecke ist der anspruchsvollste des 10,5 km mehrmaligen Wendepunktkurses, der 4 x gelaufen werden muss. Mehrere Rampen warten hier auf den freudigen Läufer.

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Meine Beine sind so frisch, als hätte ich heute noch nichts gemacht. Ich muß an den Tipp von Mark Allen denken, der in einer Ironman-Broschüre, die ich in St. Pölten gelesen habe, sagte, dass man sich bis km 120 auf der Radstrecke fühlen muss wie in einer Trainingseinheit und dass der Ironman erst bei km 25-30 auf der Laufstrecke beginnt. Recht hat er. Jedenfalls bin ich bewusst locker losgelaufen, ich hätte deutlich schneller laufen können. Ich versuchte, mein Tempo bei 4:55 min/km einzupendeln, war aber teilweise schneller, weil es mir einfach zu langsam war.

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Ich muß dazusagen, dass ich im Training bis zu 36 km lange Läufe mit einem Tempo von 4:41 min/km gelaufen bin und da immer noch nicht Sense war. Ebenso bin ich nach harten Radfahrten, wo ich bis zu 34,5 kmh gefahren bin, noch locker hintendrauf 20 km im 4:50 er Schnitt gelaufen. So wurde die erste Runde zum lockeren Traben, was aber extrem schwer war. Ich wurde überholt, wollte aber auf gar keinen Fall den Fehler machen, jetzt Gas zu geben, um am Ende einzugehen und vielleicht um ein paar Sekunden die 10 Stunden-Marke zu verpassen. Es geht am See vorbei, durch die Promenade über schlechten Boden, teilweise Kopfsteinpflaster. Ein Teil der Strecke spielt sich an einer großen Tennisanlage ab, wo es wie in Frankfurt Runden-Bändchen gibt, wo eine Verpflegungsstelle beheimatet ist und es einen Wendepunkt gibt. Man läuft sogar direkt über die Terasse des Tennisheims, wo 2 Meter neben der Strecke Plastikstühle stehen. Und es wird Tennis gespielt, als gäbe es gerade keine 2000 Läufer und 10.000e Zuschauer. Die Österreicher sind ja schon crazy in Sachen Laufstrecke, aber die Schweizer schießen den Vogel ab, definitiv.

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 Nach jeder Runde läuft man wieder in das Zielgelände, was ja auch praktischerweise Startgelände, Wechselzone 1 und 2, Messe und eigentlich alles in einem ist. War die erste Runde noch recht leer, so füllt sich die Strecke nun zusehends. Mein Tempo liegt nach wie vor bei 4:55 min./km. Ich fühle mich nach wie vor klasse und muß mich bremsen. Laura und meine Family ist überall, Laura filmt, Stefan und mein Vater fotografieren und meine Mutter feuert an.

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 Das schöne an der Laufstrecke ist, man kann ohne Probleme auf jeder Runde bis zu 5x gesehen werden. Also dann auch die 2. Runde rumbekommen. Am See mache ich zu Salt ´n Pepa´s “Push ist” eine Tanzeinlage und bekomme Extra-Applaus. Am See ist der dritte Wendepunkt angebracht, nicht ganz einfach, aus vollem Lauf abzubremsen und wieder loszulegen. Nun wird das Vorbeikommen schon schwerer, die Wendepunktstrecke ist definitiv zu eng für alle Athleten. Auf einmal sehe ich Diana und Thomas Wollinger, die mich anfeuern, aber sehen, dass es mir gut geht, und wir kurz ein bisschen quatschen. Mir kommt Ronnie Schildnecht entgegen als führender Mann, der auch später gewinnen wird.

Wieder ins Zielgelände und ab in die 3. Runde.

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Dass ich jetzt ein Tief erleben würde, wenn eins kommen sollte, darauf war ich vorbereitet. Das war in Frankfurt und in Roth so und das hat Mark Allen ja auch schon gesagt. Wie ein Mantra habe ich mir dutzende Male schon auf der zweiten Runde eingetrichtert : “Es wird nicht stehengeblieben”, “Nicht gehen”, “Auch nicht, wenn dirs richtig dreckig geht”. Bei km 25 wurde es tatsächlich etwas zäh und der Schnitt ging teilweise über 05:00 min/km. Aber es war immer noch genügend Puffer vorhanden. Selbst wenn ich für jeden km 05:10 min/km benötigen würde, käme ich mit unter 9:59 Std. rein. Nun nervte mich meine Brille und meine Kappe, die ich noch nie bis zum Ziel aufhaben konnte, Laura hat sie dann für mich eingesammelt.

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Die Foto-Posen wurden kurzzeitig etwas verbissener, doch mein Standard-Mantra bezogen auf Triathlon “Nach jedem Tief kommt ein Hoch” sollte nicht lange auf sich warten. Spätestens bei km 34 und Überstreifen des letzten Bändchens, kam die Flüssigkeit zurück. Apropos Flüssigkeit, die Versorgung auf der Laufstrecke klappte super, ich hatte mir einen Plan zurechtgelegt, den ich auch größtenteils umsetzen konnte. Eine Verpflegung Cola, eine Gel mit Wasser, eine Wasser und dann wieder von vorne. In der 4. Runde konnte ich kein Gel mehr sehen, vor allem kein Vanille, denn ich hatte da schon gut 15 Stück intus. Auf der letzten Runde war es dann rammelvoll, ich war nur noch am überholen. Rechts, links, mittendurch, es war richtig anstrengend. Das einzige, was mich nun hätte noch stoppen können, wäre ein Sturz gewesen und so passte ich doppelt auf, wo ich hintrat. Als ich dann bei km 38 war, fiel mir ein, dass jetzt eigentlich der Zeitpunkt gekommen wäre, wo mein ein bißchen Gas geben könnte und so zog ich noch mal an, was aber wegen der Masse fast unmöglich war. Ich habe mehr als einen Ellenbogen abbekommen. Zu diesem Punkt habe ich mit einer Endzeit um die 9:57 gerechnet, was aber nach 10 Stunden so eine Sache ist mit dem Rechnen. Beim Schild 40,5 km habe ich dann noch mal einen richtigen Endspurt hingelegt und bin knapp über 04:00 min/km gelaufen, ein letztes Mal um den Wendepunkt und nein, nicht in die 5. Runde, sondern rein in den Zielkanal, ich habe ja alle vier Bändchen. Schon am Wendepunkt bin ich am Jubeln, ich reiße die Arme in die Luft und kann es nicht fassen. Der Zielkanal ist komplett leer, ich kann in Ruhe jubeln.

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 Ich kriege mal wieder gar nicht mit, dass Laura und meine Eltern direkt vor dem Ziel stehen und sich mit mir freuen. Ich mache einen Riesensprung, der leider nirgends festgehalten wurde, (meiner Meinung nach aber die größte Leistung des ganzen Tages darstellte) über die Ziellinie und habe ein Grinsen bis Bagdad.

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 Als 280. finishe ich meinen dritten Ironman.

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Split:  03:28:45 - 203. Gesamt

Gesamtzeit: 09:55:01 - 280. Gesamt, 70. AK 30

Ich schaue auf die Uhr und sehe die 09:55:noch was. Ich klatsche alle Finisher nach mir ab, als würde ich sie schon Jahre kennen. Noch ein paar Fotos und dann ab in den Athletes Garden. Erst mal rein in den Whirlpool, dann Dusche, Massage, Urkunde drucken, Finisher-Shirt abholen, Essen und Trinken, Rad abholen, unzählige Small Talks, mit dem Rad Richtung Hotel fahren, an der Strecke noch einige Zeit die anderen Athleten anfeuern, dann ins Hotel, Nachbereitungen treffen und gleich mit Diana und Thomas zum Essen verabreden. Wir sind in ein Restaurant nähe der Laufstrecke gegangen, wo selbst um kurz vor 23:00 Uhr nach 16 Stunden noch Triathleten unterwegs waren. Unglaublich! Müde wurde ich dann auch langsam, schlafen konnte ich natürlich nicht so gut.

Montag, 13.07.09

Wie auch schon im Ziel am Vorabend, fühle ich mich richtig gut, Lediglich im Nachen- und Rückenbereich tut es etwas weh, jedoch in den Beinen merke ich kaum etwas. Verrückt, vor 7 Jahren bei meinem ersten Halbmarathon war ich nach dem Rennen nicht ansprechbar und konnte 2 Tage nicht richtig laufen. An was sich der Körper alles gewöhnen kann, wenn er muß. Morgens stand noch der Brunch, wieder im Schützenhaus auf dem Plan. Hier gabs dann auch die Siegerehrung und die Slot-Vergabe für Hawaii. Es wurden fast alle Plätze angenommen, nur wenige wurden verneint. Gegen Nachmittag haben wir dann die Heimreise angetreten und haben uns auf dem Heimweg noch den Rheinfall in Schaffhausen angeschaut.

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Die unzähligen Treppen und Höhenmeter hätte ich zwar nicht mehr unbedingt gebraucht, aber wer ein Ironman sein will, muß auch da durch.

Fazit: Ohne Worte, mit dieser Zeit hätte ich niemals gerechnet. Unter 10:10 Stunden wollte ich bleiben, mehr hatte ich aufgrund der harten Radstrecke nicht erwartet. Beim Schwimmen muß ich noch einiges machen, hier habe ich wahrscheinlich noch das größte Potential. Aber auch auf dem Rad sehe ich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Ebenso beim Laufen, wenn ich meine Grundschnelligkeit beim nackten Marathon weiter verbessere, dürften da noch gut 10 Minuten drin sein. Bleibt abzuwarten, was ich bei meinem zweiten Saisonhighlight in Köln beim Cologne 226 am 06.09. erreichen werde, eigentlich war erst dort diese Zeit geplant. Nun kann ich dort ohne Druck versuchen, einen guten Wettkampf abzuliefern.

Jetzt wird erst mal ordentlich regeneriert und dann gehts schon nächsten Sonntag wieder los mit dem Triathlon in Niedernberg und eine Woche später gehts nach Italien in den Urlaub, wo ich auch sicher die eine oder andere Trainingseinheit einbauen werde…

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09:55:01 - Ein Traum wird wahr

July 13th, 2009

Bin gerade aus der Schweiz vom Ironman zurück und bin immer noch mit dem Kopf auf der Strecke. Was für ein Tag gestern, wahrscheinlich der Wettkampf meines Lebens. Mit Tiefs und Hochs, wie man sie vom Ironman kennt. Werde morgen mal in Ruhe ein paar Zeilen :-) schreiben. Erst mal schlafen, irgendwie bin ich müde… 

Jahresvorschau 2009 in Worten

February 9th, 2009

So, da bin ich mal wieder.

Da ich dieses Jahr beruflich um einiges mehr eingespannt bin als noch im Jahr zuvor, kann es schon mal vorkommen, dass man sich erst Anfang Februar mit der Jahresvorschau beschäftigt und nur noch sporadisch abends vorm PC hockt.

Nichtsdestotrotz wird dieses Jahr in sportlicher Hinsicht geklotzt und nicht gekleckert. Sozusagen ein Mammutprogramm mit zwei Langdistanzen, zwei Mitteldistanzen, zwei olympischen Triathlons und einem Marathon.

Halbmarathons und Radwettkämpfe zähle ich mal zu der Rubrik intensive Trainingseinheiten. Ganz schön großkotzig, oder? :-)

Jedenfalls steht mein Terminkalender, das ein oder andere Wettkämpfchen wird vielleicht noch dazukommen.

15.02.09                        Halbmarathon Mörfelden-Walldorf (21,1 km) / Bei km 14   ausgestiegen (keine Lust zum Quälen)

08.03.09                        Marathon Kandel (42,195 km) / 03:09:11 Stunden

26.03.-05.04.09            Trainingslager Mallorca (Spanien) / Von 11 Tagen 7 Tage Regen

03.05.09                         Kinzigtal-Triathlon Gelnhausen 0,5/20/5 / Keinen Startplatz bekommen, dafür Halbmarathon Großkrotzenburg (1:31:31)

15.05.09                          Hypo-Lauf Aschaffenburg (7,9 km) / (31:47)

24.05.09                          Ironman 70.3 St. Pölten (Österreich) 1,9/90/21,1   / (04:56:34)

31.05.09                           Radmarathon Bimbach (210 km, 3.500 Hmtr.) / schön wars…

14.06.09                           Mitteldistanz Moret 2,0/80/21    / (04:52:39 inkl. 10 min. Pause :-) )

12.07.09                            Ironman Zürich (Schweiz) 3,8/180/42,195  (09:55:01)

26.07.09                            Ol. Triathlon Niedernberg 1,5/54/10

03.08.-16.08.09               Urlaub / Trainingslager Abruzzen (Italien)

24.08.09                            Champions Run Berlin 10 km (Originalstrecke des WM-Marathons, der 2 Std. zuvor beendet wurde !!!) 

06.09.09                            Cologne 226  3,8/180/42,195

Meine sportlichen Ziele 2009:

Halbmarathon Mörfelden unter 1:30:00 Stunden -> ausgestiegen, Entscheidung vertagt!

Marathon Kandel unter 3:10:00 Stunden -> yes

 Ironman 70.3 St. Pölten unter 5:00 Stunden -> yes

Mitteldistanz Moret unter 4:40:00 Stunden -> hätte ich geschafft, wenn die Sache mit dem Stop & Go nicht gewesen wäre

Ironman Zürich unter 10:10:00 Stunden -> yes

Cologne 226 unter 10:00:00 Stunden

Das Hauptziel ist natürlich die Sub-10 auf der Ironman-Distanz, der wohl zweitgrößte Traum eines Triathleten, mal von der Hawaii-Quali abgesehen.

Wird bestimmt knüppelhart und die Warum-Frage werde ich mir sicher öfter als 12x stellen, aber ausruhen kann ich mich ja im nächsten Jahr…

Jahresrückblick 2008 in Worten

January 12th, 2009

Mittlerweile schreiben wir die dritte KW des Jahres 2009 und ich hab mir mal so gedacht, bei -15°C Außentemperatur lässt sich doch mal ganz fluffig das letzte Jahr aus sportlicher Sicht Revue passieren. Außerdem ist der letzte Eintrag nun sage und schreibe 26 Wochen her, zumindest wenn ich mich nicht verzählt habe.

Ja, was soll ich sagen. Sensationell, das letzte Jahr, in vielerlei Hinsicht.

Im frühen Frühjahr stand der erste kleine Höhepunkt an, der Marathon in Kandel, für den ich wirklich sehr hart und penibel trainierte. Lohnte sich, ich lief in 3:18:52 Bestzeit, fast 10 Minuten schneller als beim letzten Frankfurt-Marathon. Positiver Nebeneffekt war auch noch die Halbmarathon-Bestzeit im Februar in Mörfelden-Walldorf von 1:30:35.

Unterdessen kam ich beim Schwimmen auch immer besser in Fahrt, das Radfahren lief auf absoluter Sparflamme, ab und an mal Rolle oder MTB, wenn es der recht milde Winter oder die Zeit zuließ.

Nach dem Marathon wurde etwas mehr Rad gefahren, dann gings auch schon in die Toskana. Regen, Regen, Regen. Trotzdem gefahren wie ein Großer.

Eine Woche später der Duathlon in Backnang, nebenbei Deutsche Meisterschaft. Klasse Wetter, gemütliches Örtchen, eigentlich schöner Wettkampf, wenn ich nur diese Duathlons nicht so hassen würde. Nie wieder Backnang!

Die Woche drauf schon die ersten langen 175er Radfahrten, Rad fahren war jetzt das Hauptthema. Bis zu 400 km die Woche, nebenbei immer noch ordentliche Schwimmumfänge und ab auch das ein oder andere Läufchen.

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Das offizielle Trainings-Wochenende mit Stefan in Roth, das Gerolsteiner-Tourfestival in der Eifel mit meinem ersten 200er, ein Trainingswochenende auf Mallorca mit einem weiteren 200er, die Marathon-Staffel in Seligenstadt, der Hypo-Lauf, der in die Geschichte einging und der Mußbach-Triathlon mit Micha Göhner, Timo Bracht und mir in einem Schwimmbecken. 

Und immer wieder Regen beim Radfahren.

Dann der Moret-Triathlon, vom Feeling her außer Kandel der beste Wettkampf, den ich letztes Jahr ablieferte. Top-Swim, guter Druck auf dem Rad und bis zuletzt Power beim Laufen. Unter 4:45 gefinished, sehr zufrieden. 

Dann noch mal zwei Wochenenden in Roth, mittlerweile kannte ich die Strecken auswendig. Meine neue Rennmaschine ging ab wie Luzzy. Leider hatte ich überzockt und eine übertriebene Sitzposition gewählt, so dass ich mich zwei Wochen vor der Challen fast abgeschossen hatte. Ich konnte kaum noch gehen vor Rückenschmerzen, fing mich aber noch rechtzeitig.

Im Schwimmen wurde ich zuletzt von Woche zu Woche schneller, auch das Laufen machte super Spaß.

Die Tapering-Phase verlief auch supergut und so konnte ich ausgeruht in Roth an den Start gehen. 

Über Roth habe ich ja schon ausführlich berichtet :-)

Was bleibt, ist die Zeit von 10:19:31 Stunden.

Und das bei diesem Wetter, wobei man ja von Wetter gar nicht reden konnte, da hätte man extra ein Wort für erfinden müssen.

Nach Roth hatte ich mir schwer vorgenommen, nicht in das selbe Loch zu fallen, in das ich schon 2006 nach meinem ersten Ironman fiel. Ich fiel noch tiefer. Sechs Wochen nicht dokumentiertes sporadisches Planschen, Joggen und Radeln. Das hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt. Zu Jahresbeginn hatte ich mir den Start beim olympischen Triathlon in Rodgau vorgenommen, aber leider zu spät reagiert und keinen Startplatz mehr erhalten. 

Gefangen habe ich mich eigentlich erst wieder, als ich merkte, dass es allerhöchste Eisenbahn wird, ins Training für den Köln-Marathon einzusteigen. Da warens aber nur noch knapp sechs Wochen und zusätzlich hatte ich mit einer Sehnenreizung im linken Knie zu kämpfen. Einen Halbmarathon als Test lief ich erstmals nicht vor meinem mittlerweile siebten Marathon. Wollte nicht von einer mittelmäßigen Zeit runtergezogen werden und pokerte hoch. Zumal die Reizung gegen Ende der Vorbereitung so schlimm wurde, dass ich innerlich fast schon für Köln abgesagt hatte. Gestartet bin ich trotzdem und bin tatsächlich Bestzeit gelaufen: 3:15:02 Stunden.

Und wieder hatte das Wetter es nicht gut mit mir gemeint, es regnete mindestens 35 km lang und es stürmte, was das Zeug hielt. Bei km 40 drückte ich meine Stoppuhr aus Versehen aus und lief die letzten 2 km blind und hatte so keine Ahnung, dass mir drei versch… Sekunden fehlten, um unter die 3:15 zu kommen. Egal! Bin trotzdem hochzufrieden mit dem Saisonabschluss. Fast 14 Minuten schneller als im letzten Marathonjahr 2006. 2007 bin ich ja weder Marathon oder Halbmarathon gelaufen und hab nur an einem olympischen Triathlon teilgenommen.

Laura lief in Köln den Halbmarathon. Und was für einen! Ganz klar unter 1:45 Std.

In den Wochen danach bin ich keinen Meter gelaufen, habe mein Knie geschont und Laura auf ihren ersten Marathon vorbereitet. 3:58:44 Stunden - Das Ziel, unter 4 Stunden zu laufen, hat sie souverän geschafft. Allerhöchsten Respekt für diese Leistung vom stolzen Trainer :-)

Der Rest des Jahres ist schnell erzählt: Eine Woche Urlaub in Marokko, ein nicht geglückter Wiedereinstieg ins Training im November und auch nicht gleich im Dezember. Feucht-fröhlicher Dezember mit vielen Feiern und so. Irgendwann Mitte Dezember die ersten ernsthaften Einheiten, Anmeldung fürs Fitness-Studio und der erste Lauf in Jügesheim.

Die Fotos von Roth werde ich nun auch mal hochladen, eine Vorschau für 2009 schreiben und vielleicht auch mal wieder öfter von meinem Traingszustand, der momentan noch sehr zu wünschen übrig lässt, berichten.

Ausführlicher Bericht zum Rennen

July 15th, 2008

Du weißt, du bist ein Triathlet, …

… wenn du stundenlang halbnackt durch den Regen fährst, nur um irgendeine bescheuerte Zeit zu erreichen.

Achtung:

Dieser Bericht ist unter dem Einfluß noch zahlreich vorhandener Endorphine entstanden und daher sehr umfangreich und emotional. Vielen Dank für Ihr Verständnis :-)

Freitag, 11.07.08

Abfahrt erst relativ spät, irgendwie keine Lust auf Hektik gehabt. Noch mal bei Race Worx vorbei, einen zweiten Ersatzschlauch gekauft mit extra langem Ventil. Den Tipp hatte mir Stefan gegeben, der bei seinem Rad auch nicht daran gedacht hatte. Die Fahrt selber war der Horror. Vier Stunden von AB nach Roth. Ab Rohrbrunn Stau und zähfließend bis Würzburg, sage und schreibe zwei Stunden bis WÜ gebraucht. Zwischendurch regnet es in Strömen, zweimal muß ich wegen Aqua-Planing tierisch aufpassen. Wir kommen um 20.30 Uhr auf dem Festplatz in Roth an, die Pasta-Party ist schon gelaufen und ich kann gerade noch meine Unterlagen abholen. Um 20.58 laufe ich ein, direkt hinter mir wird schon das Zelt verschlossen. Glück gehabt. Anschließend sind wir noch in eine Pizzeria gegangen, wegen Pasta Party und so. Am Tisch neben uns meint ein Heranwachsender zu zwei Mädels: „Das sind alles Triathleten, die da rumlaufen. Die haben ganz schön Disziplin. Die trinken und rauchen nicht. Vor denen hab ich ganz schön Respekt. So was würde ich nie schaffen.“

Beim Gehen werden wir noch von den Besitzern angesprochen, ob ich auch starte und ob mir das Wetter nichts ausmachen würde. Brrr, und das Schwimmen im Kanal, furchtbar. Ja, das Wetter haben wir uns nicht ausgesucht…

Dann die Wohnung bezogen, mein Rad natürlich mit hoch genommen J und gleich ins Bett. Was eine Nacht! Es war erst mal tierisch heiß, da es eine Dachgeschosswohnung ist und die Luft stand. Ich mache das Fenster auf, mitten in der Nacht werde ich von Stechmücken fast gefressen. Ein Stich nach dem anderen. Wir erledigen eine paar dieser Bestien. Das geht so weiter bis 4:30 Uhr, dann kann ich endlich durchschlafen. Für die wichtigste Nacht vor dem Wettkampf eigentlich keine guten Voraussetzungen.

Samstag, 12.07.08

Um 10.10 Uhr klingelt das Handy. Klaus ist dran, er wollte dann mal vorbeikommen, er war auch schon im Kanal schwimmen. Kurz darauf ist er mit seinem Sohn bei uns in der Wohnung. Er war auch grad noch in einem Radgeschäft, weil sein Sattel plötzlich verbogen ist und er kein Risiko eingehen will. Er hat sich den gleichen Fizik-Sattel zugelegt, den ich auch habe. Er erzählt von dem Auto-Unfall von Michael Lux, der eigentlich für seine Staffel starten sollte. Stattdessen wird nun Arnd fahren. Krass, gestern kurz vor der Abfahrt habe ich ihn noch im Geschäft gesehen, da war noch alles okay. Klaus hat mir eine vorher telefonisch bestellte Schwimmbrille mitgebracht, da meine aktuelle doch tatsächlich bei der letzten Schwimmeinheit im Kahler See am Mittwoch das allererste Mal überhaupt versagte und Wasser reinlief, und das ein paar Tage vor dem Wettkampf. Außerdem hatte er noch einen Ersatzschwamm für mein Trinksystem dabei, mein alter war nur noch Murks. Was ein Service, sogar in die Ferienwohnung wird geliefert. Vielen Dank. Wir quatschen etwas und wünschen uns Glück.

Kurz darauf kommt Frank vorbei, er wollte eigentlich gestern schon da sein, hatte aber kurz vor Wertheim eine Autopanne und musste wieder zurückfahren. Morgens hatte er dann einen Werkstatt-Termin und nun ist alles klar. Ich frage mich, ob das alles mit rechten Dingen zugeht: Unfälle, Pannen, Probleme mit dem Equipment. Wir frühstücken zusammen, quatschen lange und ich gammele auf dem Bett herum. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, morgen sowas abartiges zu machen. Dann müssen wir uns doch mal aufraffen, schließlich ist nicht der ganze Tag Radabgabe. Ich gehe mit Laura noch mal ne halbe Stunde locker laufen mit drei kurzen Beschleunigungen. Mensch, können 29 Minuten lang sein. Ich mag wieder nicht an den nächsten Tag denken. Danach noch mal das Rad gecheckt, Trinksystem gut befestigt, den zweiten Flaschenhalter entfernt, den zweiten Ersatzschlauch unter dem Sattel befestigt, den Helm beklebt und die Startnummer am Oberrohr befestigt. Die Laufschuhe, Strümpfe und Laufcap im roten Beutel verstaut und auf den Weg gemacht. Dadurch, daß wir recht spät dran waren, konnten wir bis kurz vor den Kanal fahren. Nur noch einzelne Leute waren unterwegs, es war 18:15 Uhr, bis 18:30 war Abgabe. So liebe ich es. Rad zusammengebaut, in die Wechselzone einmarschiert, lange nach meinem richtigen Platz gesucht und endlich gefunden. Noch eine gelbe Folie zum Abdecken geholt, den Helm am Lenker befestigt, mein Rad noch mal gestreichelt und eine gute Nacht gewünscht. Die erste Nacht, in der es ohne Papa schlafen muß J

Danach habe ich mir noch mal sehr ausgiebig den exakten Weg vom Schwimmausstieg zum Zelt, vom Zelt zum Rad, sowie vom Rad zum Ausgang verinnerlicht. Sehr verwirrend erst mal. Ich merke es mir folgendermaßen: Aus dem Wasser, den zweiten Gang von links gesehen aus ins Zelt, bei 1303 den Beutel schnappen, ins Zelt, hinten an der Seite wieder raus, nach dem Zelt vor dem Lautsprecherturm links rein, und dann in Höhe des Baumes von der Brücke aus gesehen links in den Gang und dann gleich das dritte Rad auf der rechten Seite. Wie zum Hohn kommt die Sonne heraus und man macht sich völlig unberechtigte Hoffnungen auf ein halbwegs ordentliches Wetter.

Schnell noch nach Greding gefahren, um Laura den richtigen Weg zu zeigen, wo wir uns am nächsten Tag am Kalvarienberg sehen sollten. Von dort aus sind wir die Originalstrecke bis zu unser Ferienwohnung in Sindersdorf gefahren. Auf der Abfahrt vom Kalvarienberg liegen schon die Strohballen in den Kurven. Vor dieser Abfahrt habe ich wirklich Angst, gerade bei den nassen Straßen. Auch heute hatte es bis zum frühen Nachmittag andauernd geregnet.

Noch schnell Pasta gegessen, ein paar Sachen zurechtgelegt und dann war ich eigentlich wie geplant um 21:00 Uhr fast im Bett. Fast, dann ich stelle fest, daß meine Polar beim Anschauen der gespeicherten Daten nur noch Hüroglüfen J anzeigt. Ich wäge kurz ab, checke meine Optionen und rufe Markus an, um ihn nach einem Ersatzpulsmesser zu fragen, da ich von ihm wusste, daß er mehrere hat. Stefan ist schon bei ihm, sie beruhigen mich, ich habe von ihnen morgen früh um 6.30 Uhr auf jeden Fall einen Ersatz. Beruhigt gehe ich um kurz nach neun ins Bett und kann natürlich erst mal überhaupt nicht schlafen. Mir gehen 423 Dinge durch den Kopf, und das natürlich gleichzeitig.

Sonntag, 13.07.08

4:00 Uhr, das Handy klingelt. Ich fühle mich gut, bei mir ein sehr gutes Zeichen. Ich habe erstaunlich gut geschlafen und fühle mich fit. Frühstück. Wie geplant vier Scheiben Toast mit viel Honig, Tee und Wasser. Später noch eine Banane. Die letzten Sachen zusammengepackt und los geht’s um 5:00 Uhr. Die Fahrt zum Start dauert nur ein paar Minuten, es geht den Solarer Berg runter, alles noch tot. Es regnet nun schon die ganze Nacht ohne Pause. Welche Aussichten…

Wir parken ca. 500 Meter vom Start entfernt und laufen im Regen zum Kanal, es ist richtig kühl. Im Hintergrund läuft Vangelis –Conquest of a paradise. Kommt die Gänsehaut vom Wetter oder der Musik? Rund um die Wechselzone ist die Hölle los, überall Gewusel, Schirme, Regenjacken. Überall Matsch und Pfützen. Die Nationalhymnen aller Teilnehmerländer werden gespielt. Ich verabschiede mich kurz von Laura und gehe mit meinen zwei Beuteln Richtung Rad. Nur wer ein wie bei AI-Hotels-typischen Bändchen hat, kommt rein. Meinen Transponder habe ich schon am Fußgelenk. Ich trage Kompressionsstrümpfe, sicher ist sicher. Die nötigen Vorbereitungen am Rad getroffen und u.a. meine Armlinge zurechtgelegt. Ich hatte am Abend zuvor noch meine Mutter angerufen, die bitte meine Regenjacke mitbringen soll, um sie mir bei Gelegenheit an der Strecke zu reichen. Dann Neo bis zur Hüfte an, Brille umgehängt und Schwimmkappe schon auf. In der Zwischenzeit esse ich einen Cookies & Cream. Ich treffe dann noch Stefan und Markus und ich bekomme die versprochene Uhr. Diese wird noch ausgiebig getestet. Auch Doris und Frank sind da, viele bekannte Gesichter. Dann ein fast folgenschwerer Fehler von mir: Ich lasse mich von Stefan und Markus überzeugen, keine Armlinge anzuziehen. Ich nehme sie wieder weg und packe sie in den blauen Beutel. Ich freue mich trotz des beschissenen Wetters auf den Wettkampf und tanze im Regen etwas zu YMCA. Bis auf die Spanier sind irgendwie alle nicht ganz so lustig drauf. Dann wird’s langsam ernst, noch zehn Minuten. Pulli aus, Hals mit Hirschtalg eingerieben, Neo an, einem anderen Badeschuhe in den blauen Beutel und ab mit dem Beutel in den großen LKW. Ich mache einem anderen Athleten den Klettverschluß zu, mit der Bitte, es bei mir gleich zu tun. Wir schütteln uns die Hände und wünschen uns viel Glück, das Ganze auf Englisch. Jetzt habe ich nur noch ein Apfel-Gel in der Hand, das ich mir noch schnell reindrücke. Dann kommt der Aufruf für meine „fünfte Startgruppe“. Noch fünf Minuten. Ich reihe mich in die Unmengen von Neo-Figuren ein und suche nach weißen Badekappen. Mist, die sind ja schon ganz vorne. Schnell vorbeigedrängelt, barfuß durch die kalten, matschigen Pfützen. Ekelhaft. Dann ins Wasser, der Sprecher hatte die Temperatur von 20,5°C durchgegeben. Ideal. Viel Zeit bleibt nicht, den Neo anzupassen oder einzuschwimmen. Ich konzentriere mich auf die Brille, die ich ja zum ersten Mal trage. Sie sitzt gut. Der Start ist 50-100 Meter vom Einstieg entfernt. Ich muss mich beeilen, denn kurz nachdem ich ins Wasser gleite, kommt die Durchsage: „one minute to go“. Ich reihe mich vorne links ein, also in der Mitte des Kanals. Diese Atmosphäre im Wasser, Sekunden vor dem Start einer Langdistanz. Diese konzentrierten, angespannten und nervösen Gesichter. Wahnsinn. Ich wünsche allen um mich herum viel Glück, fast alle gehen auch darauf ein. Und dann der Kanonenschuß.

3,8 km Schwimmen (1:10:05 Stunden)

Es geht los. Die Uhr wird gestartet, ein Blick nach vorne und ab die Post. Da ist er, dieser Moment, auf den man acht Monate lang hintrainiert hat. Mir gehen tausende Sachen durch den Kopf. Ich versuche, mich auf eine saubere Technik zu konzentrieren und einen Rhythmus zu finden. Dadurch, daß max. 250 Starter in einer Gruppe sind, kommt es zu keinem Gekloppe. Ich bekomme höchstens einen oder zwei Schläge ab, die definitiv nicht beabsichtigt waren. Das humanste Schwimmen, daß ich je erlebt habe. Ich hatte vor, mindestens eine 1:10 zu schwimmen, was auch locker drin sein sollte, da ich in den letzten Wochen im Training Top-Zeiten hingelegt habe. Ich schaue ab und an auf die Uhr und stelle fest, daß es sich ganz schön zieht. Die Orientierung klappt ganz gut, die Bojen sind gut sichtbar. Lediglich fällt es etwas schwer, von weitem zu erkennen, ob es sich um die Hin- oder Rückschwimmboje handelt, die einige Meter weiter links angebracht ist. Ich habe keine Ahnung, wie schnell ich bin, habe aber ein gutes Gefühl. In letzter Zeit habe ich im Training immer auch etwas auf den Puls geschaut, um einen Richtwert zu haben. Doch ich Schlaumeier habe die Uhr auf Durchschnittspuls eingestellt. Egal. Die erste Wende kommt nach ziemlich langen 1,5 km. Ich wollte dort nach spätesten 27:30 durch sein. Ein Blick auf die Uhr: 25:30 Minuten. Hammerhart. Da ich das Gefühl hatte, locker zu schwimmen, rechnete ich natürlich gleich hoch und glaubte in diesem Moment an eine Zeit von 1:06-1:07. Dann der Rückweg. Ich dachte an den Tipp von Anja Ippach: „Innen schwimmen, da ist die Strömung nicht so stark“ Ich dachte mir nur, das war wohl wirklich ein Geheimtipp, denn ich war der einzige, der innen schwamm. Die Masse bewegte sich mittig oder sogar außen. Im Nachhinein behaupte ich, es war ein Fehler. Erstens bin ich komplett alleine geschwommen, zweitens bin ich Umwege geschwommen, da ich mich von Boje zu Boje orientiert habe. Da der Kanal aber eine deutliche Kurve einlegt, bin ich insgesamt locker 100-150 Meter mehr geschwommen. Zu allem Überfluss habe ich auch noch einen schönen Zickzack-Kurs hingelegt. Zurück beim Startpunkt an der 3,0 km-Marke wollte ich bei 55:00 durch sein, die Uhr zeigt 52:30 Minuten. Der herausgeschwommene Vorsprung ist um eine Minute geschmolzen, dennoch bin ich auf einem 1:07-1:08 Kurs. Die folgenden 400 Meter bis zum zweiten Wendepunkt ziehen sich extrem, wobei man schon die Zuschauer am Ausstieg und auf der Brücke wahrnimmt. Dann endlich die Wende, ich muß ganz schön Zeit verloren haben, denn auf einmal gerät die 1:10 sogar in Gefahr. Ich wundere mich über die Leute, die einen Regenschirm tragen. Der Gedanke, daß es wohl regnet, kommt mir in dem Moment nicht in den Sinn, da man davon im Wasser nicht so viel mitbekommt J

Ich schwimme schön weit rechts am Ufer, habe sogar schon einmal mit dem Boden Kontakt, bis ich merke, daß ich lieber links geschwommen wäre, da der Ausstieg durch eine kleine Boje begrenzt ist. Egal, auf Sekunden kommt es nicht an, der Tag ist noch lange, denke ich mir und schwimme dem Ausstieg entgegen. Vor mir laufen die ersten schon im Wasser. Gegen Ende noch mal schön mit den Beinen schlagen, damit das Blut auch mal wieder dorthin kommt. Ich mache einen letzten Zug und stelle mich auf. Immer ein komische Moment, nach so langer Zeit Boden unter den Füßen zu haben. Ein Blick auf die Uhr: 1:10:00, auf die Sekunde genau. Das nenne ich mal pünktlich. Ich springe heraus und laufe 5 Sekunden später über die Zeitmatte…

Wechselzone 1 (2:27 Minuten)

Man nennt die Wechsel beim Triathlon immer die vierte Disziplin. Da ist eigentlich was dran. Der erste Wechsel gehört eigentlich nicht zu meinen Stärken, doch was ich da abgeliefert habe, kann ich selber kaum glauben. Aber der Reihe nach. Man geht ja schon auf den letzten Metern im Wasser gedanklich den Wechsel durch, so auch diesmal. Mit einem Sprint den minimalen Höhenunterschied zwischen Wasser und Wechselzone hoch, dabei schon haufenweise Leute überholt, rein in den zweiten Gang von links, Neo aufgezogen, raus aus dem rechten, dann dem linken Arm, bis zur Hüfte runtergezogen, schnell während dem Laufen gebückt, meinen leerer Beutel 1303 geschnappt, Brille runter, Kappe runter und schon im Zelt angekommen. Das Zelt rammelvoll. Keinen Platz gefunden, somit schnell Kappe und Brille in den Beutel, Während ich mit den Füßen den Neo ausgezogen habe. Den auch in den Sack, Richtung Ausgang gerannt, den Beutel in die Ecke geschmissen und raus. Erst nachher wird mir bewusst, daß während ich dort drin war, niemand vor mir das Zelt verlassen hat und ich locker 50-100 Starter auf einen Schlag überholt habe. Der Grund war aber auch der, daß ich als einer der sehr wenigen mein Radzubehör am Rad gelassen hatte. Ich finde sofort den richtigen Weg zu meinem Rad. Schnell das Wasser aus den Radschuhen ausgeleert, angezogen, Startnummer an, Helm und Brille auf, Rad geschnappt und los. Mensch, klappt das gut, denke ich mir. Bis auf meine Regenjacke, die direkt neben meinem Rad liegt. Wie kommt die bitte dahin? Die sollte doch bei Laura sein. Hoffentlich hat sie die dann um 10:30 Uhr am Solarer Berg dabei, wo wir uns verabredet haben. Da ich den TSG-Zweiteiler trage, kann ich sie nicht mitnehmen und muß sie liegenlassen. Ich wollte nicht mit Jacke losfahren, da ich die Kälte nicht einschätzen kann und lieber erst mal etwas friere als unter der Jacke zu überhitzen. Ein großer Fehler. Jedenfalls verlasse ich nach sagenhaften 2:27 Minuten die Wechselzone und steige aufs Rad. Tatsächlich waren nur 73 der 2.800 Starter schneller !

180 km Rad (5:24:47 Stunden)

Die Strecke kannte ich auswendig, jede Kurve, jeden Huckel, sogar jeden Kanaldeckel. Ich hatte nichts dem Zufall überlassen, und dann dieses Wetter. Die ersten paar hundert Meter waren kein Problem, ich war noch aufgeheizt von der Rennerei. Bei km 1,5 der erste kleine Schock: Ich verliere auf der Schleuse den Schwamm von meinem Aero-Drink. Das Iso spritzt nur so herum. Auf einmal wird mir kalt in meinem bauchfreien, weit ausgeschnittenen Top, meiner kurzen Hose, und meinen nackten Füßen in den nassen, oben offenen, extra leichten Radschuhen. Richtig kalt sogar. Um nicht zu sagen, saukalt. Erste Verpflegung, ablenken, Banane essen und trotz dem Wetter viel Trinken. Das Wasser steht teilweise in großen Pfützen über die komplette Straße. Es läuft trotzdem gut. Ich schaue mich um und weiß, warum ich im Vergleich zu anderen so schnell gewechselt habe. Lange Radhosen, Überschuhe, Westen, Regenjacken, Armlinge undundund. Ein Königreich für Amlinge. Es zieht mich ganz schön runter, ich schaue minutenweise auf die Uhr und rechne aus, wie lange ich bis zum Solarer Berg brauche. Die Strecke habe ich mir schön portioniert, ebenso die Hügel. Ich komme immer auf 10 Hügel bzw. Berge, davon für mich vier schwierige. Als erstes die Vier-Hügel-Phase gegen Anfang, bestehend aus der ganz leichten Steigung nach Eckersmühlen, dann die langgezogene leichte Steigung durch den Wald, dann die Rampe und zum Schluß der Selingstädter Berg. An der Rampe sehe ich vor mir jemandem, dem die Kette reißt. Ich muß sofort wegschauen, mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Unvorstellbar, wenn einem so was selbst passieren würde. Trotz des eiskalten Wetters (ca. 11-13°) sind noch einige Zuschauer unterwegs und machen auch gut Stimmung. Doch ich kann es nicht genießen, so sehr friere ich und muß mich auf die rutschige, nasse Straße konzentrieren. Ich werde schon gleich zum Anfang zweimal von Kampfrichtern angesprochen, als ich mich mitten im Überholvorgang befinde. „Entweder langsamer fahren, oder überholen!“ Hääää? Sogar der Überholte wusste nicht, was das sollte. Lutschen war heute überhaupt kein Thema, da man ja völlig nassgespritzt wurde von dem Vorausfahrenden. Es hörte und hörte nicht auf zu regnen. Nach und nach kamen die ersten kleinen Gedanken ans Aussteigen hoch, so sehr litt ich. Dann erinnerte ich mich an meine zahlreichen Regen- und Kältefahrten und versuchte mich zu motivieren. In den Abfahrten zitterte ich und hoffte auf Steigungen, da ist es halbwegs erträglich. Zeiten oder Schnitte waren völlig egal, es ging einfach ums Durchkommen. Die Stimmung unter den Leuten war eisig, keine Unterhaltungen, kein Wort, nix. So was habe ich noch nie erlebt. Auf der sogenannten High-Speed-Strecke nach Greding läuft es saugut, konstant die 4 vorne auf dem Tacho. Aber je schneller es wird, desto kälter wird es auch. Dann der Kalvarienberg. Auch hier einige Zuschauer, daß die sich diesen Wahnsinn antun, Respekt. Ich komme, wie alle anderen Berge auch, nicht so gut hoch wie im Training, die Kraft fehlt mir definitiv. Die Kälte hat mich schon ganz gut ausgelaugt. Den einzigen richtigen Berg habe ich mir in sieben Wellen zerlegt. Die erste, richtig steile, dann die zweite an dem USA-Spionage-Dingsbums, die dritte hoch am kleinen Ort vorbei, die vierte und fünfte bis hoch zur Bushaltestellte, sechste und siebte bis hoch an den Wald. Und dann die Abfahrt. Ich zittere am ganzen Körper und kann kaum noch mein Rad halten. Ich habe Angst, daß ich aus der Kurve rutsche und bremse, was das Zeug hält. Gott sein Dank fahren alle anderen genau so konservativ die Berge hinunter, alle sehr vernünftig, niemand rast. In der ersten Kurve springt mir die Kette runter. Ich muß aus der Beschleunigung abbremsen und die Kette wieder auflegen. Scheiße. Unten bin ich so ausgekühlt, daß ich das erste Mal richtig ernsthaft ans Aussteigen denke. Aber weiter, rede ich mir zu, noch ca. 25 km bis zur Jacke. Es regnet wie aus Kübeln. Wie in Trance fahre ich langsam aber sicher Richtung Hilpoltstein. Dann der Solarer Berg. Wahnsinn. Eine Stimmung wie bei der Tour de France. Geschrei, Gerassel, Gejubel. Leute springen erst einen Meter vor dir zur Seite. Ich habe das erste Mal ein breites Grinsen im Gesicht. Ich freue mich schon auf Laura, die meine Jacke bereithält. Dann der große Schock. Ich sehe Laura, frage nach der Jacke. „Bei deinen Eltern!“ ruft sie. Ich „Wo?“. Sie: „In Greding“. Völlig von den Socken (die ich nicht anhatte) fahre ich weiter, ohne wenigstens nach den Armlingen zu fragen. Ich war so perplex, so frustriert, ich hätte in dem Moment das Rad so hinschmeißen können, wie damals Norman Stadler in Hawaii. Ich habe bisher so eine Handlung nicht verstehen können bis zu diesem Punkt. Ich habe mindestens zwei Kilometer nur geschrieen und geflucht. Wieso haben meine Eltern die Jacke und wieso sind die in Greding? Wieso haben wir alles genau durchgesprochen und jetzt klappt es nicht? Ich kann gar nicht in Worte fassen, was in mir vorging. Ich war eigentlich relativ entschlossen, irgendwie noch den Schlenker bis hoch zum Schwimmstart zu fahren und dann dort auszusteigen. Fertig, Schnauze voll, Basta. So wäre es auch gekommen, wäre nicht Laura einen Kilometer vorher bei der zweiten Durchfahrt durch Hilpoltstein mit ihrem MTB von hinten angerast gekommen. Ich rufe nur „Armlinge“. Sie hilft mir beim Überziehen, sie muß aber auch mein Rad halten, das ich vor lauter Gezittere nicht mehr selbst schaffe. Weiter geht’s, irgendwie. Es regnet weiter wie aus Eimern. Kopfmäßig gings mir nun gleich besser, obwohl mir nicht wärmer wurde. Jetzt kann ich sagen, daß ich wohl nicht angekommen wäre, wenn ich die Armlinge nicht bekommen hätte. So, erste Runde geschafft, Schnitt von 33,3 kmh. Für dieses Wetter fast schon gigantisch, wenn man bedenkt, daß man in jeder Kurve abbremst bis kurz vorm Stillstand. Von den Abfahrten ganz zu schweigen. Irgendwann wird dann mein Puls nicht mehr angezeigt, ich rüttele und mache, doch es tut sich nichts. Ich will nicht anhalten und fahre nach Gefühl weiter. Mir ist alles so ziemlich egal. Weiterhin fällt mir auf, daß ich meinen zweiten Ersatzschlauch irgendwo verloren habe. Auch egal, dann steige ich eben aus. Bei km 110 oder 120 hört es dann auf zu regnen, was aber auch nicht viel bringt, da die Straßen ja klitschnass sind und man immer wieder von anderen nassgespritzt wird. So langsam merke ich, daß mir nicht mehr ganz so kalt ist wie vorher. Meine Kraft ist aber völlig dahin, ich kann mir nicht mal mehr vorstellen, die 180 km  fertig zu fahren. Am Kalvarienberg sehe ich dann erst Stefan und Markus und dann meine Eltern. Sie hält mir meine Jacke entgegen und fragt mich, ob ich sie brauche. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder heulen soll!!!!!! Mir fällt das Lied von Peter Maffay ein und ich summe vor mich hin „Über sieben Wellen musst du fahrn…“ Nur zur Motivation. Wieder in die Abfahrt, wieder Angst, die Pfützen stehen immer noch auf den Straßen. Alles gut gegangen. Ab diesem Punkt haue ich mir an jeder Verpflegung einen Riegel oder Gel rein, teilweise gleich ne ganze Tube. Im Kopf zerlege ich mir die restlichen 50 km in flache Stücke und Steigungen. Irgendwie bin ich immer noch im Zeitplan, was ich aber nicht glauben mag. Der Kopf hat sich schon völlig verabschiedet. Mir fängt an, mein Nacken weh zu tun. Kommt von der Sitzposition. Ich spüre mein linkes Knie, da hatte ich eigentlich schon lange keine Probleme mehr, aber warum nicht. Wenigstens hält mein Rücken, das beruhigt mich wieder. Kilometer für Kilometer quäle ich mich weiter, auf einmal wieder den Schnitt und die Zeit im Kopf. Langsam werden sogar die Straßen wieder trocken. Es geht kopfmäßig wieder etwas bergauf. Dann die letzten Steigungen und der Solarer Berg. Immer noch Zuschauer, immer noch Stimmung. Klasse. Ab jetzt  ist alles fast nur noch flach. Gott sein Dank, einen Kalvarienberg wäre ich nicht mehr hochgekommen. Immer mal wieder muß ich an den Marathon denken, doch den Gedanken verschiebe ich, da ich mich sowieso längst gedanklich von der 10:30 verabschiedet habe. Diese Zeit war so weit weg wie Peking. Dann Eckersmühlen, ich biege rechts ab. Das heißt: Noch 6 km nach Roth. Links ginge es in die zweite Runde. Tatsächlich biegen noch welche in diese Richtung ab. Arme Säue, denke ich mir nur. Die letzten km waren gefühlte 60. Ich landete in einem Pulk von ca. 10-15 Fahrern, wobei niemand Windschatten fahren wollte. Es konnte nur keiner mehr, die Erschöpfung war jedem deutlich anzusehen. Und so rollten wir die letzten 3 km zusammen, teilweise zu siebt nebeneinander, nur um das schlechte Gewissen zu beruhigen, Richtung Wechselzone 2. Ein letzter Hügel, dann sieht man schon die Brücke und dann rollt es nur noch. Ich schreie ein lautes „Jaaa. Geschafft!“ und öffne mein Schuhe. Wie auf Kommando machen es mir alle im Pulk nach. Ein Helfer signalisiert, daß wir langsam machen sollen und dann geht es schon rechts hinunter auf den Parkplatz. Ich sehe die Zeitmatte, springe wie ein Irrer vom Rad und drücke es einem Helfer in die Hand. Wieder auf einen Schlag 10 überholt. Ich schaue auf die Uhr und kann es nicht glauben. Wie auch immer, habe ich meine Zeitplanung trotz des katastrophalen Wetters gehalten, sogar um 13 Sekunden unterboten J Jetzt kann ich behaupten, daß ich nicht gefinisht hätte, wenn ich nicht die ganzen Regenfahrten im Trainingsprogramm gehabt hätte. Die haben einen richtig hart im Kopf gemacht.

Wechselzone 2 (2:32 Minuten)

Laura war da, ich konnte sie deutlich hören J Nach dem Abspringen eine 180° Kurve und hoch zu den Beuteln, ich weiß gar nicht mehr, wie ich zu meinem gekommen bin, auf einmal hatte ich ihn in der Hand. Rein ins Zelt, Beutel auf, ausgeleert. Mein IQ war höchstens noch so groß, wie der Inhalt, der aus dem Beutel fiel. Laufschuhe, Strümpfe und Cap. Die Armlinge hatte ich während dem Sprint ins Zelt ausgezogen. Die und Helm rein in den Sack. Neben mir saß ein älterer Herr, auch schon schwer gezeichnet. Ich versuche ihn aufzumuntern und meine: „Komm, noch schnell nen Marathon, dann hast du´s geschafft.“ Er sprach aber kein Deutsch und während ich überlegte, was es auf Englich heißt, spricht mich die Helferin an und meint, daß er kein Englisch versteht. Da aber mein IQ während der Fahrt bis auf ein Minimum geschrumpft ist, dauert es etwas länger, bis ich die Übersetzung gefunden habe und spreche ihn auf Englisch an. Er muß lachen und meint nur „Yeah, Yeah“. Währenddessen habe ich schon meine Strümpfe an, die freundliche Helferin hat mir meinen Transponder ums linke Bein geschnürt, ich schlüpfe in die Schuhe, klopfe dem Herrn neben mir und der Helferin auf die Schulter, schnappe mein Cap und stürme los. Draußen steht wieder Laura und schreit „Peeeter, mach se alle platt!“ Ich reiße die Hände in die Luft und strahle. Jetzt kommt meine Stärke. Laufen, wenn eigentlich gar nix mehr geht.

42,195 km Laufen (3:39:42 Stunden)

Ich laufe los wie ein Irrer, wie immer. Überall Zuschauer, ich bin wieder auf Wolke 7. Nach 500 Metern kommt mir urplötzlich der Gedanke in den Kopf: „Alter, das ist ein Marathon“ Ich bin viel zu schnell und fühle mich körperlich völlig fertig. Ganz im Gegensatz zum Kopf. Ich mache wie immer beim Laufen nur Spaß mit den Zuschauern. Erst mal Pipi machen im Gebüsch. Bei km 1 reiße ich die Hände in die Luft und schreie laut: „Jaaa. Nur noch 41 km!“  Die Menge tobt. Der Blick auf die Uhr: Unter 5 Minuten. Viel zu schnell. Dann die gefürchteten drei ansteigenden km bis zur Lände. Es tut weh, es fällt schwer. An der Lände angekommen, drücke ich Markus erst mal meinen Pulsbrustgurt in die Hand. Weg damit. Ich wollte einen Marathon von 3:45 laufen, also einen Schnitt von 5:15 je km. Eigentlich machbar. Anfangs auch kein Problem, doch ab km 10-12 wird’s langsam eng. Der Weg raus zum ersten Wendepunkt Schwanstetten ist ewig, und mir macht immer noch mein rechter Fuß Probleme. Bei jedem Schritt stampfe ich mit rechts mit einem schallenden Lärm, mit links klappt alles. Ich muß dauernd an Räuber Hotzenplotz denken. Endlich der erste Wendepunkt, dort sagt der Sprecher den gerade auf dem sechsten Platz finishenden Thomas Hellriegel und später auf Platz 9 den Vucko an. Nix wars. Zurück zur Lände. Jetzt geht’s los. Ich muß schon wieder und verschiebe es von km zu km. Der Vorwand ist nämlich: Ich will stehenbleiben und gehen. Ich zögere es bis km 15 raus und brauche genau 19 Sekunden, bevor ich mich weiterbewege. Die Brücke stellt ungefähr die Mitte bis zurück zur Lände dar. Immer wieder Cola an der Verpflegung, immer wieder Gel. Mittlerweile habe ich locker 10-15 Gels intus. Mein erste große Schwächephase. Ich kann das Tempo halten und versuche langsam hochzurechnen. Die 10:30 ist kopfmäßig immer noch weit weg. Bei km 18 oder so begegne ich Manni das erste Mal. Dann ist die Lände in Sicht, Harald Reuter läuft ein Stück mit. Ich freue mich, ihn zu sehen, doch er erwischt mich gerade an einem toten Punkt. Danach wieder Stefan und Markus, Stefan meint, daß die 10:30 locker drin sind. Echt??? Ich will bis km 21 abwarten, um eine verlässliche Prognose aufzustellen. Km 21: Noch 1:55 Stunden Zeit um Sub 10:30 zu bleiben. Das müsste doch reichen, oder? Weiter geht’s, an der Lände erst Laura, dann meine Eltern. Das tut gut im Kopf. Laura reicht mir mein Spezialgetränk aus Wasser, Salz, Lift-Off und Gel. Jammi. Weiter, immer weiter. Ich rufe mir meinen Leitspruch auf: Nach jedem Tief komme ein Hoch, und wenn ich es mir selbst basteln muß. Mir fällt auf: Mein rechter Fuß läuft wieder normal. Plötzlich geht alles sehr schnell, ich komme wieder super drauf und es macht Spaß. Die km 22, 23 und 24 laufen wie geschmiert, auch weil mir die Strecke runter nach Hainpfarrich liegt. Dann weg vom Kanal, die Rampe hoch und ab durch den Wald. Auf einmal kommt wieder ein kleines Männchen mit einem kleinen Hämmerchen und klopft ganz vorsichtig. Ich muß richtig beißen. Raus aus dem Wald, rein in den Ort. Noch 16, denke ich mir. Ohne Zeitdruck wäre ich jetzt sicher ein oder zwei Minuten gegangen. Ich erinnere mich an die Verpflegungsstelle im Ort und nehme mir vor, eine Mini-Mini-Trinkpause einzulegen. Ein kleines Stimmungsnest, Musik. Das tut gut, ich lege während dem Laufen ein kleines Tänzchen hin und wackele mit den Hüften. Dabei mache ich ausschweifende Armbewegungen. Die Leute sind begeistert. Ich laufe in einer kleinen Gruppe von 8 Leuten. Innerhalb einer Zehntelsekunde bleiben wir an der Verpflegung alle 8 stehen und trinken im Gehen. Keiner läuft weiter. Als hätten wir uns abgesprochen. Ich muß laut lachen. Alle gucken mich doof an, ich laufe weiter und mir geht es auf einen Schlag besser. Verrückt. Kurz danach haben drei kleine Jungs eine eigene Schwammstation aufgebaut, bestehend aus einem Eimer Wasser am Straßenrand und eben Schwämmen. Ich möchte einen, weil ich die Jungs süß finde, doch sie sehen mich nicht. Ein paar Sekunden später rennt ein kleiner Junge wie verrückt neben mir her und ich denke mir noch, was will der denn? Ich schaue auf seine Hände und er reckt mir mit letzter Kraft zwei Schwämme entgegen. Ich kriege ne Gänsehaut und könnte fast heulen, so emotional war das. Ich bedanke mich wie verrückt bei den Helfern und bin wieder hellwach. Es geht hoch auf die Brücke über den Kanal. Die wohl härteste Stelle auf der Strecke. Ich sehe Laura und meine Eltern. Ich lache und reiße die Hände in die Luft. Ich sage zu Ihnen „ Bleibt da. Ich bin gleich wieder hier!“ Ich überhole zwei Jungs, die gehen und meine: „Weiterlaufen! Nicht stehenbleiben!! Zehn Sekunden später drehe ich mich um, und frage erneut“ Gell, ihr hört net???“ Einer muß lachen und läuft los. Bei dem anderen ist Hopfen und Malz verloren. Kurz hinter der Brücke ist gerade eine größere Gruppe zusammen, und ich frage in die Runde: „Jungs, wo´s doch grad so schön ist, könnten wir doch mal schön was zusammen singen, oder?“ Keine Reaktion. Also summe ich alleine vor mich hin. Der zweite Wendepunkt. Ich lasse mich feiern. Km 30 ist in Sicht. Manni auch. Er kommt mir lachend in einem Affenzahn entgegen. Das meiste, was mir an Manni imponiert, ist nicht seine Top-Leistung. Nein, es ist seine gute Laune während eines Wettkampfes. Es macht immer Spaß, ihn anzufeuern, man bekommt immer ein Lachen zurück. So muß es sein, das ist der Hauptsinn unseres Sports: Spaß!!! Da könnten sich einige ein paar Scheiben abschneiden. Das musste mal gesagt werden. Weiter so, Manni! Während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen, bin ich auch schon wieder auf der Brücke bei Laura und meinen Eltern. Für die Fotos mache ich ein kleines indisches Tänzchen. Bei der nächsten Verpflegung ermahne ich ein Mädel, die barfuß auf der Straße steht: „Mädel, zieh dir was an, du holst dir noch den Tod“ Dann wieder hoch durch den Wald, ein Klaps auf den Hintern, Manni überholt mich bei km 33. Ich rufe ihm nur nach, er soll jetzt mal endlich mit der Endbeschleunigung anfangen und mir im Ziel ein Erdinger bestellen. Km 34. Ein Alexander geht gerade, ich muntere ihn auf. Es geht die Rampe hinunter. Zuschauer ohne Ende. Keine Rührung. Geht ja mal gar nicht. „Es darf geklatscht werden“ fordere ich die Masse auf. Getobe. Na also, geht doch! Alex im Schlepptau geht’s wieder hoch zum Kanal. Wir quatschen, als würden wir uns schon Jahre kennen und gerade einen einstündigen GA1-Lauf machen. Ich quatsche, weil ich genug Erfahrung habe, jetzt keinen völligen Einbruch mehr zu erleben und die 10:30 definitiv schaffen werde. Hätte ich noch vor zwei Stunden niemals geglaubt. Km 34 geht gut, der nächste wird unerwartet hart. Und dann setzt der Regen ein, plötzlich und unerwartet. Ein Wolkenbruch per excellence. Innerhalb kürzester Zeit steht fast alles unter Wasser. Glücklicherweise verlassen wir den Kanal und laufen ein letztes Mal durch die Lände. Km 37 an der Verpflegung. Alex und ich sind uns einig, im Stehen zu trinken. Ich rechne: 10:25 sind drin, 10:30 habe ich definitiv geschafft. Schwämme sind überflüssig, es kommt Abkühlung von oben. Es hört und hört nicht auf. Es geht in den Waldweg auf die letzten 4 Kilometer. Nur noch bergab. Die Wege sind nicht mehr zu erkennen, das Wasser hat sich komplett ausgebreitet, man läuft durch Seen, von denen man nicht weiß, wie tief sie sind. Glücklicherweise nur bis zu den Knöcheln. Ich muß lachen und schüttele mit dem Kopf. So ein Wetter kann man sich doch gar nicht ausdenken. Eine Zuschauerin meint. „Auf geht’s: Peter – Alexander“. Ich muß schon wieder lachen. Peter Alexander, der hätte von mir kommen können. Bei einer anderen Frau beschwere ich mich, daß meine ganze Schminke verläuft bei diesem Sauwetter. Sie kann mitfühlen. Km 39 und 40 vergehen wie im Flug, es geht bergab. Zwischendurch rechne ich und komme auf eine Zeit nahe der 10:20. Gibt’s doch gar nicht, denke ich mir und ziehe noch mal an. Km 41 viel zu kurz, locker 200 Meter. Egal, es gibt schlimmeres J Von Alex habe ich mich schon verabschiedet, wir haben uns im Ziel verabredet. Dann sprinte ich los, da ich merke, sogar noch unter 10:20 reinzukommen. Doch da ist ja noch dieser Berg nach km 41. An dem damals Lothar Leder den Macca platt gemacht hat. Ich hoch, alles was noch geht, trotzdem mit den Leuten gelacht und gefeiert, dumme Sprüche geliefert, dies leicht ansteigende Gerade hoch, rechts um die Kurve, hundert Meter bis es links hoch über die Gleise geht, noch mal Steigung bis zur Rechtskurve, immer wieder der Blick auf die Uhr. Reichts noch? Die Leute feuern mich an, trotz weiterhin strömenden Regens. Mein Strahlen geht bis über beide Ohren. Ich lege einen richtigen Sprint ein. Die letzten 100 Meter, bis es auf die Wiese zur Zielgeraden geht. Ich biege in den Zielkanal ein und klatsche die ersten Kinderhände ab. Ich sehe das km 42-Schild. Ich schaue auf die Uhr: 10:19:00. Das reicht! Ich nehme Tempo raus um dieses Glücksgefühl  herauszuzögern. Ich sehe meine Eltern, Laura, Stefan, Markus. Ich klatsche Hände ab, alle strahlen und jubeln. Ich komme in das Stadion. Kein Mensch vor mir, das Stadion für mich alleine. Beide Hände in der Luft, jubelnd drehe ich die kleine Runde auf den letzten Metern und komme nach 10:19:31 Stunden am lange herbeigesehnten Ziel an.

Ziel  

Die Endorphine und was weiß ich noch alles spielen verrückt. Ich kann mein Glück kaum fassen. Ich hüpfe herum wie ein kleiner Junge. Alexander kommt ins Ziel, wir machen Fotos. Er bedankt sich bei mir, daß ich ihn auf den letzten Kilometern gezogen habe. Ehrensache! Ich erfahre, daß sowohl Klaus Ullrich, Christian König und auch Marcel Bischoff auf dem Rad ausgestiegen sind. Die hätten wohl mal vorher etwas mehr im Regen fahren sollen J

Mir wird dann doch langsam kalt, ich gehe ins Zelt, lasse mich massieren, quatsche mit unendlich vielen Leuten, esse und trinke etwas, dusche und hole dann mein Rad und alle Beutel ab. Laura war zwischenzeitlich zuhause, sich umziehen. Respekt und Danke an alle, die mich angefeuert haben, das war ja ne Hammerleistung, so einen Tag durchzustehen.
Anschließend haben wir noch Frank getroffen, der mit seiner Schwimmleistung von 1:12 nicht gerade zufrieden war und sich auch nicht mit einer Staffel anfreunden kann. Dann sind wir noch zum Italiener gegangen und ich habe einen Salat und Bruschetta reingequält (Nach ca. 20 Gels war kaum noch Platz
J). Völlig fertig sind wir dann wieder in die Ferienwohnung und sind gleich ins Bett. Das war er, mein längster Tag des Jahres.

Fazit:

Mit der erreichten Zeit hätte ich vor dem Start niemals gerechnet. Vor allem von der Radzeit bin ich super überrascht, gar nicht auszudenken, wie ich gefahren wäre, wenn es trocken gewesen wäre. Für den Marathon war das Wetter mit Sicherheit in Ordnung, mal von dem Wolkenbruch gegen Ende abgesehen. Mit der Laufleistung bin ich auch absolut zufrieden, ich wollte ja nur 3:45 laufen. Im Endeffekt ärgere ich mich eigentlich nur über die Schwimmleistung, da hätte noch mehr drin sein müssen…

Zusammenfassung Challenge:

10:19:31 Stunden:

3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42 km Laufen J

Es ist geschafft! 10:19:31 Stunden

July 14th, 2008

War das hart! 

Unglaublich hart.

Jeder, der dabei war, weiß was ich meine. 

Mir tut fast alles weh.

Ein ausführlicher Bericht folgt morgen.

Ein überaus glücklicher Finisher dieser Challenge, die wohl in die Geschichte eingeht…

Die letzten Stunden - Der letzte Eintrag vor der Challenge

July 11th, 2008

Noch ewas mehr als 40 Stunden bis zum Start. Die Anspannung ist mir deutlich anzumerken. Mein Puls schlägt etwas höher als sonst.

Die letzten zwei Tage sind folgendermaßen geplant:

Heute nachmittag Fahrt zusammen mit Laura nach Hilpoltstein, wo wir unsere Ferienwohnung beziehen. Dann Startunterlagen in Roth abholen, die komplette Radstrecke mit dem Auto abfahren, um Laura die Hot Spots zu zeigen. Dann steht noch die Pasta-Party an und ein Treffen mit Frank, der nun zusammen mit zwei Mädels eine Staffel belegt. Wenigstens das, er hatte ja vor ein paar Monaten wegen Problemen mit seiner Bandscheibe, an der er ja schon operiert wurde, die Challenge absagen müssen.

Weiterhin wollen wir Klaus Ullrich vom Main Ausdauer Shop treffen, mit dem ich gestern telefonierte. Er startet ja auch, ist aber nicht ganz begeistert von dem Gedanken, daß Laura mit von der Partie ist. Hintergrund: Beim Ironman Klagenfurt war Laura ja beruflich dabei, da ihre Firma als Hauptsponsor auftrat. Da war sie dabei, als Klaus aus dem Wasser gefischt wurde, als er einen Schlag gegen den Kopf abbekam, kurzzeitig bewusstlos wurde und aus dem Rennen genommen wurde. Beim Ironaman 70.3 in Wiesbaden sahen wir ihn (Laura und ich ) kurz vor dem Start, weil wir beide als Helfer mit dabei waren. Das Ende vom Lied: Klaus hatte einen unbeschreiblich heftigen Radunfall, als ihm bei einer Abfahrt ein Riss durch den Rahmen ging, er die Kontrolle über das Rad verlor und in eine Fensterscheibe eines Hauses fuhr. Der Albtraum eines jeden Triathleten.

Hoffentlich schafft er es ja im dritten Anlauf auf die Laufstrecke, schwimmen kann er ja, nur für den Fall, daß er in den Main-Donau-Kanl stolpern sollte J Nein, im Ernst, ich wünsche Klaus einen tollen Wettkampf und hoffe, daß er auch eine gute Zeit erreicht. Gestern am Telefon meinte er nur: „Da haben die Jungs aber ganz schön was vorgelegt. Meinst du, das schaffen wir auch?“ Gemeint waren Markus und Stefan…

Jedenfalls wäre es laut Klaus trotzdem eine gute Idee, Laura sicherheitshalber am Rasthof zu vergessen oder wenigstens in der Ferienwohnung einzuschließen, so groß ist sein Aberglaube. Man könnte sich notfalls auch auf einen Einkaufsgutschein irgendwo in Nürnberg einigen oder so. Mal schauen…

Am Samstag ist dann Radabgabe in Hilpoltstein, danach würde ich noch mal locker 20-30 Minuten am Kanal joggen gehen, eventuell die Wettkampfbesprechung mitnehmen und dann als goldenen Abschluß eine eigene Pasta-Party bei uns in der Wohnung starten.

Früh ins Bett gehen, gegen 4 Uhr aufstehen, frühstücken (Mate-Guarana-Tee, stilles Wasser, Weizentoast mit reichlich Honig, Banane und Power Bar Cookies & Cream) und mit dem Auto zum Schwimmstart. Laura wird ihr Fahrrad dabei haben, sie wird also mobil sein.

Meine Eltern werden erstmalig gemeinsam bei einem meiner Triathlons dabei sein, alleine deshalb muß ich ja schon Höchstleistungen bringen. Mein Bruder wird kommen, ebenso haben sich schon einige TSGler angekündigt, unter anderem Stefan, Markus, Harald und Rainer. Zudem werden wohl unsere Freunde Christoph und Sandra wenigstens zum Marathon kommen, Frank ist nach dem Schwimmen fertig und wird mit seinem Rad auch an der Strecke präsent sein. Einige bekannte Gesichter, das wird gut tun.

Bleiben werden wir bis Montag. Am Sonntag will ich mir auf jeden Fall die Finish-Line-Party ansehen und am Montag die Siegerehrung. Anschließend geht’s wieder heim.

So, nun muß ich aber endlich auch mal die Hosen runterlassen bezüglich der Zeitvorstellung.

Vergleichswerte Ironman Frankfurt 2006:

Schwimmen: 1:21:48 Stunden (Erster und bisher einziger Ironman in Europa, der ohne Neo geschwommen wurde)

Rad: 5:26:32 Stunden (Halbstündiges, heftiges Gewitter mit strömendem Regen auf den ersten Kilometern)

Laufen: 4:00:39 Stunden (Hitzeschlacht, pralle Sonne, ca. 30° im Schatten, der nicht vorhanden war)

Gesamtzeit: 10:55:16 Stunden

Meine Zielvorstellungen für die Challenge:

Schwimmen: 1:10:00 Stunden (Verbesserung um 11 Minuten)

Rad: 5:25:00 Stunden (Verbesserung um 1 Minute)

Laufen: 3:45:00 Stunden (Verbesserung um 15 Minuten)

Gesamtzeit: 10:29:59 Stunden (Verbesserung um 26 Minuten)

Großer Unsicherheitsfaktor bleibt halt das Rad, ich rechne eigentlich eher mit einer 5:30:00

Ein weiteres Thema ist natürlich das Wetter. Gemeldet sind 17° C, Regenwahrscheinlichkeit von 100% mit einer Niederschlagsmenge von 5-10 Litern je qm. Mamma Mia…

Meine Trainingsleitung ab Start in die Vorbereitung Anfang November 2007:

Schwimmen: 195,8 km

Rad: 5.003 km

Laufen: 1.623 km

Gesamtstundenzahl: 429,00

Stundendurchschnitt 11.07-07.08: 11,3 Std. / Woche

Stundendurchschnitt 2008: 13,3 Std. / Woche

Wettkampfgewicht (Stand 11.07.08): 69,0 kg

Ruhepuls: 39 Schläge/Minute !

Drückt mir die Daumen, ich melde mich dann wieder zeitnah nach dem Wettkampf.

Hoffentlich kann ich auch in Roth so jubeln wie beim Zieleinlauf beim Ironman 2006 in Frankfurt…

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PS: Tja Jochen, doch geschafft :-)

Sogar die Bilder der vergangenen Wochen sind online.

Ich hoffe, du kannst über meine Rechtschreibfehler hinwegsehen :-)

 

Woche 28 - Die letzten Tage…

July 11th, 2008

Du weißt, du bist ein Triathlet, …

…wenn du in den letzten Tagen vor dem Wettkampf in der Firma sogar mit dem Aufzug fährst, um deine Beine zu schonen.

Die letzte Woche ist angebrochen. Nur noch sechs Tage. Die Aufregung ist da, die Nervösität hat deutlich zugenommen. Plötzlich kann ich mir nicht mehr vorstellen, diese unglaubliche Distanz von 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad und 42,195 km Laufen zu bewältigen. Zweifel, wo es nur geht. Doch ich habe ja glücklicherweise die Erfahrung von meinem Ironman 2006, wo es haargenau so war.

Dadurch, daß man in der sogenannten Tapering-Phase, die drei Wochen vor dem Wettkampf beginnt, nur noch wenig trainiert, die Einheiten dazu noch recht kurz sind, kann man sich kaum noch motivieren, weil man denkt, man schafft die paar Meter mit links. Doch die Einheiten sollten recht knackig sein, da der Körper, wenn er schon nur kurz belastet wird, wenigstens die Einheiten merken soll. Die Hausaufgaben sind längst gemacht, die habe ich, wie ich denke, ganz gut erledigt.

Am Montagabend war die letzte Massagestunde angesagt. Ich genoss es noch mal in vollen Zügen. Eigentlich wollte ich danach noch mal Schwimmen gehen, doch es war schon zu spät und ich zu müde.
 

Also verschob ich das Schwimmen auf Dienstag. Ich wollte eigentlich noch mal in den See springen, es war aber miserables Wetter und sah nach Gewitter oder zumindest Regen aus. Da es schon spät war, war mir das ganze nicht geheuer und ich beschloss, ins Vitamar zu gehen. Komplett umgezogen (ohne Neo!) marschierte ich Richtung Bademeister, um zu fragen, ob ich denn bitteschön mit Neo schwimmen dürfte. Lange Rede, kurzer Sinn: Nein. Okay, da nebenbei im Nichtschwimmerbereich wieder schwer rumgehüpft wurde, eine Bahn abgesperrt war, ansonsten nur Frisur-Zur-schau-Stellerinnen rumschwammen, verging mir die Lust schlagartig. Ich zog mich wieder an, sch… auf die drei Euro und fuhr nach Hause.

Also, nur Laufen, dachte ich mir. Ursprünglich wollte ich ja beides machen. Doch plötzlich bekam ich übelste Magenschmerzen, so daß an Laufen erst mal nicht zu denken war. Ich fuhr mir Laura italienisches Bauch-Wundermittel ein, legte mich aufs Bett und hoffte auf Besserung. Als Limit setzte ich mir 21:30 Uhr. Kurz danach stand ich auf, es ging einigermaßen und lief in das kalte, graue, dunkle Depri-Wetter. Zwei km einlaufen, dann vier km GA 2 und zum Schluß noch mal zwei auslaufen. Die drittletzte Einheit.

Am Mittwoch hatte ich mir dann zum dritten Mal die ausgefallene Schwimmeinheit vorgenommen, inkl. der heute geplanten Radeinheit. Spät war es, als ich am Kahler See ankam. Ich habe schon die letzten Wochen gemerkt, daß mir Seeschwimmen dieses Jahr überhaupt keinen Spaß macht, schon gar nicht alleine. Mensch, musste ich mich überwinden. Erst mal 300 Meter ein, dann eine Runde locker nach hinten, dann Wettkampftempo wieder zurück und 200 ausschwimmen.  

War ja klar, daß gar nix klappt. Erst wochenlang einen Rekord nach dem anderen und die letzte Schwimmeinheit geht voll in die Hose. Genervt steige ich aus dem Wasser, als Claudi und Arnd kommen. Hätte ich das gewusst, hätte ich gewartet und wäre mit ihnen geschwommen. Wir quatschen noch kurz, sie raten mir dringend davon ab, angesichts meiner angepissten Verfassung jetzt noch Rad zu fahren und wünschen mir viel Glück für Roth. Ich sehe ein, daß es keinen Sinn macht, auch weil ich dieses Jahr schon den ein oder anderen Tipp von den Hilles beherzigt habe und damit auch gut gefahren bin. Die vorletzte Einheit.

Donnerstag hatte ich endlich Urlaub, so konnte ich etwas ausschlafen. Kein Wecker gestellt, mal sehen wie lange es klappt. Da ich in den letzten Wochen sehr deutliche Schlafdefizite hatte, stellte ich mir einen 10 Stunden-Schlaf vor. Mit einigen Unterbrechungen klappte es eigentlich ganz gut. Frühstück: Vollkorn-Flakes mit Knusper-Müsli. Danach zum Friseur, schön kurzer Langdistanz-Schnitt.

Und dann die letzte (nicht die allerletzte-> die allerletzte ist ja die Lockerungseinheit am Tag vor dem Wettkampf) Einheit. Das lange aufgeschobene Rad fahren. Ich muß mich zusammenreissen, habe absolut keine Lust mehr. Doch die Sonne scheint, da fällt es mir etwas leichter. Drei mal fünf Minuten GA2 hatte ich vor, plus je 20 Minuten Ein- und Ausfahren.

Vorletztes Jahr hatte ich die letzte Radeinheit im Hafen absolviert, also wollte ich, traditionsbewusst wie ich mal bin, das gleiche tun. Es lief eigentlich gut, ich kann nicht meckern, der Puls ging bis auf 145, höher wollte ich auch nicht. Ich war dann froh, daß alles glatt gelaufen ist, da ja logischerweise viele LKW´s unterwegs waren. Noch problematischer war aber der Wind, der teilweise böenartig daherkam. Das mögen die Mark1-Räder ja nicht so gern. Ich dachte mir nur, hoffentlich ist in Roth nicht so ein Wind, fuhr nach Hause, öffnete im Hof die Radschuhe, fuhr barfuß auf den Schuhen weiter und sprang aus verminderter Fahrt vom Rad. Alles geklappt, das war der allerletzte Prüfstein und Generalprobe für die Anfahrt in die Wechselzone 2 auf dem Park & Ride Parkplatz vor den Toren Roths. Das war das Training für die Challenge !!!

Anschließend habe ich noch eine wichtige Situation getestet, von der ich hoffe, sie nicht in Roth zu erleben: Reifenwechsel!

Ich habe mir ja die Airchamp Pro gekauft, eine Kohlensäure-Einwegkapsel-Pumpe. Bisher aber noch nie probiert.

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ToiToiToi, hat eigentlich gut geklappt. Habe mal mitgestoppt, mit allem drum und dran unter 5 Minuten, wobei das natürlich im Notfall noch schneller geht.

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Summe der 28. Woche:

3,0 Stunden: 2,5 km Schwimmen, 33 km Rad, 13 km Laufen (inkl. Abschlußlauf am Samstag vor dem Renntag)

Fazit: Jetzt gehts looohoos!!!

Woche 27 - Die vorletzte Woche -Ironman Frankfurt als Highlight

July 10th, 2008

Du weißt, du bist ein Triathlet, …

…wenn du in den letzten Wochen vor dem Wettkampf nur noch am Berechnen der einzelnen Splits bist, owohl du diese schon locker 3.000 mal durchgerechnet hast.

Da ich jetzt ja mitten in der der Taper-Phase bin, brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben, zwei Ruhetage hintereinander einzulegen. Hat mir sogar richtig gut getan. Ich kann mich noch gut an das Gefühl von vor zwei Jahren erinnern, als in der Wettkampfwoche die Beine so leicht sind, als gehörten sie gar nicht dazu. Genau dieses Gefühl kommt jetzt langsam wieder. Irgendwie hat man sich aber über die Monate nach den Wochenenden an schwere, müde, verkrampfte und verkaterte Beine gewöhnt, so daß der jetzige Zustand erst mal sehr komisch anmutet. Aber naja, ist halt so.

Am Mittwoch bin ich dann wieder langsam ins Training eingestiegen, gerade mal 2 km frühs im Vitamar. Wahrscheinlich nicht nur bei mir ist es so, daß wenn trainingsmäßig das Gröbste rum ist, die Motivation nachlässt, man sich selbst bei Mini-Distanzen richtig schwer tut und es auch keinen Spaß mehr macht. Man muß sich nahezu überwinden, noch etwas zu machen. Die Luft ist halt definitiv raus.

Ganz übel kam es am Donnerstag. Lust aufs Trainieren wie die Sau aufs Messer. Scheiß Wetter. Grau, kühl, windig. Depri-Wetter. Ich wollte Rad fahren, war auch soweit fertig, trotz stockdunklem Himmel wollte ich los. Draußen im Hof fiel mir ein, daß ich auf meinem neuen Rad und den neuen Radschuhen noch gar nicht während der Fahrt die Schuhe geöffnet habe. Also wollte ich das mal kurz probieren. Irgendwie versuchte ich am linken Schuh den Klettverschluß zu öffnen, obwohl ich links noch gar nicht eingeklickt hatte. Beides gleichzeitig sollte man dann doch nicht machen. Ich verlor irgendwie das Gleichgewicht und fiel um. Schrammen an der Bremse, Pedale, Schnellspanner hinten und Sattel. Dazu blutendes Knie und auslaufendes Iso über Tacho undundund. Das schöne neue Rad!

Dann doch irgendwann losgefahren und nur bis kurz hinters Pompejanum gekommen und gehalten, da es nach Weltuntergang aussah und das tröpfeln anfing. Ich überlegte kurz und kehrte um. Und nun? Einzige Option: Laufen.

Aus lauter Frust bin ich dann einen 20er gelaufen. Da habe ich gemerkt, daß sich bei recht flottem Tempo mein Puls nicht über 125 bewegt. Auf dem Rückweg bekam ich zwei Mal Magenkrämpfe, so daß ich sogar stehen bleiben musste. Kurz vorm Ziel bekam ich noch Hustenanfälle, weil ich irgend eine Mücke verschluckt hatte. Was ein Scheiß Tag!!!

Eigentlich sollte das Training diese Woche ganz anders aussehen, aber man weiß ja, wie es ist. Das Koppeltraining am Freitag wollte ich eigentlich schon am Donnerstag starten, doch angesichts des bescheidenen, gestrigen Wetters war es vielleicht am Freitag besser aufgehoben. Ich bin dann meine 62 km-Kahlgrundrunde mit ca. 600 Höhenmetern über Albstadt, Horbach und Schöllkrippen in einem 31,5er Schnitt gefahren und anschließend einen 10er in knapp unter 46 Minuten gelaufen. Das Anziehen der Strümpfe klappt mittlerweile recht gut, mal gespannt, wie das unter Wettkampfbedingungen laufen wird.

Am Samstag habe ich dann einen geplanten Ruhetag eingelegt. Unbeschreiblich diese Gefühl, Samstags aufzustehen, es steht kein Training an und vor allem Ausschlafen. Wahnsinn. Einen Tag später sollte ja der Ironman stattfinden, an denen unter anderem Stefan, Markus und Oli teilnehmen. Ich versuche mich in sie reinzuversetzen und denke daran,  daß ich genau eine Woche später in der gleichen Situation bin. Ich telefoniere noch mal kurz mit Stefan und wünsche viel Glück. Er ist gerade mit Markus auf dem Heimweg vom Bike-Check-In.

Um 17 Uhr treffe ich mich mit Stefan Schlett, Harald Reuter, Manni und Rainer in Kleinostheim. Ziel: Römer, Frankfurt. Dort treffen wir noch Tobi. Ich hatte ja für die TSG Kleinostheim die komplette Radbegleitung der ersten drei Frauen und Männer beim abschließenden Marathon organisiert und das Treffen mit den Verantwortlichen zwecks Abfahren der Strecke, Einstellen der Räder und Besprechungen zwecks Ablauf standen auf dem Plan.

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Wir hatten eine Mordsgaudi, vor allem wegen den unbeschreiblich schlechten Fahrrädern, die uns vom Veranstalter gestellt wurden. Sie erinnerten mehr an Kinderräder, sogar ein Ständer war vorhanden.

Als wir die Runde gefahren haben, frage ich vorsichtig nach, ob die Xentis-Laufräder dann morgen installiert sind und ob wir noch einen Tacho mit Trittfrequenz und Wattmessung bekommen. Der Knaller aber zum Schluß: Ich entdecke auf dem Regal die Pokale für die Sieger. Ich frage ganz unverblümt Ines Denk, die Frau von Kurt Denk, dem Veranstalter, ob ich vielleicht mal ein Foto und so, ganz unverbindlich halt. Und zu unserer allen Überraschung darf ich wirklich. Ganz vorsichtig hole ich den Pokal aus der obersten Ecke des Regals und mir ist schon mulmig dabei. Alles geht gut, ich denke mir Oli-Kahn-mäßig  „Da ist das Ding“ und recke es in die Höhe.

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 Fotos wurden gemacht, jeder von uns hat ihn einmal in der Hand. Ines wird es dann doch zu bunt und wir stellen das gute Stück wieder zurück an seinen Platz. Krasser Gedanke, daß der Sieger des Rennens morgen mit dem Teil auf dem Balkon des Römers stehen wird.

Sonntag früh bin ich dann zu der Zeit, als Stefan und Markus aus dem Wasser kamen, ins Wasser rein. Allerdings nicht in den Langener Waldsee, sondern in das Nichtschwimmerbecken des Freibads Aschaffenburg, zusammen mit einigen Rentnerinnen. Das Schwimmerbecken war mal wieder wegen Reparaturen gesperrt. Egal, wieder schnell 152 Bahnen gekeult, wieder in Rekordzeit, 1:07:54!

Ironman Frankfurt

Schnell heim, um 10.00 Uhr gings mit Laura und meinem Bruder nach Frankfurt, ich sollte den zweiten Mann sicher ins Ziel bringen, Laura und Stefan an der Verpflegungsstelle 7 dafür sorgen, daß niemand verdurstet und verhungert. Letztes Jahr war ich ja auch schon dabei und hatte es erst mit Timo Bracht, dann mit Frank Vytrisal und zuletzt mit Micha Göhner zu tun. Apropos Frank Vytrisal, den trafen wir auf der Sachsenhäuser Seite, sein Rad schiebend. Er war ausgestiegen, hatte Probleme mit seinem Ohr, eine Entzündung, erzählte er.

In der Wechselzone 2 warteten wir dann auf de ersten Pros. Auf der Leinwand konnten wir die Radspitze verfolgen und staunten nicht schlecht, als gerade Andreas Böcherer die Führung übernahm. Im Schlepptau McCormack, Faris und Llanos. Noch mal kurze Ansage von Kai Walter, dem Renndirektor und dann ging alles sehr schnell.

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Die Zuschauer tobten, ich bekam eine Gänsehaut, daß es mich schüttelte und dann kamen sie angeschossen. Ganz vorne Andi Böcherer, ein paar Meter hinter ihm der Aussie und einen Tick später der Spanier. Dann kam erst mal lange nix.

Wir warteten ca. 20 Meter vor dem Wechselzelt und konnten live die Wechsel verfolgen. Und dann gings los wie die Feuerwehr, Chris kam als erstes raus, er zischte erst mal ne Dose Red Bull, hinter ihm gleich Eneko und ein paar Meter dahinter der Deutsche. Rainer war für den ersten Mann, Harald für den dritten eingeplant. Laura hatte hier die Losfee gespielt und unter anderem Stefan Schlett der ersten und Tobi der dritten Frau zugelost. Folgende Reihenfolge ergab sich also auf den ersten Metern: Ganz vorne zwei Polizisten (davon der eine mit seinem lustigen Rennrad),

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 dann Lothar, der rüstige 70er des Veranstalter-Teams, dann Kai Walter, Rainer, Mc Cormack, ich, Eneko Llanos, Harald und dann Andreas Böcherer.

Ich hatte ja meinen Foto dabei und dachte mir, wer weiß, wann ich wieder die Gelegenheit bekomme und drücke während der Fahrt einfach ab.

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Nach ca. 300 Metern musste ich schon rechts auf den Australier auffahren, er winkte mich vorbei, drehte sich nach dem Spanier um und fragte ihn gleich: „Hey, what about run together?“ Was sollte der Spanier da wohl sagen? Ich dachte mir nur, du Schlitzohr, weil ich genau wusste, wie die Geschichte ausgehen wird. Rainer und ich fuhren locker die erste Runde nebeneinander, Kai Walter kam mal dazu und meinte „Ey, ihr beiden habt aber nen lockeren Nachmittag“

Gegen Ende der ersten Runde kamen wir dann an der V7 vorbei, wo sage und schreibe 25 freiwillige Helfer der TSG arbeiteten.

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Die hatte ich im Vorfeld zusammengetrommelt und in Zusammenarbeit mit Michael von der Tria Rüsselsheim, der die ganze Sache im Vorfeld und auch vor Ort koordinierte, betrieben wir die komplette Verpflegungsstelle. Übrigens die einzige, die sich aus Vereinen zusammensetzte. Alle anderen wurden durch Sponsoren wie Nestle, Fraport, Stadt Frankfurt undundund gemanaged.

Dass Nebeneinanderfahren ging eine ganze Weile weiter und ich konnte noch das ein oder andere Foto schießen.

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Gegen Ende der zweiten Runde, an V6 meinte ich zu Rainer, daß es wohl los geht, als Chris das erste mal ein paar Schritte anzog, kurz danach noch einmal und beim überqueren der Brücke, kurz vor V7, zog er an. Ich ließ ihn vorbei, verabschiedete mich von Rainer und übernahm den Spanier. Allerdings konnte er nicht wirklich davon ziehen, der Abstand hielt sich in Grenzen.

Dann eine Situation, die den Spanier zurück ins Rennen brachte. Mc Cormack griff sich mit beiden Händen an den Bauch und ging gebückt. Das ganze drei Meter vor mir. Ich drehte mich um, auch Llanos hatte es gesehen. Innerhalb von vielleicht 200 Metern war der Spanier auf den Australier aufgelaufen, er lief absichtlich eng an ihm vorbei, schaute ihm aus ca. 80 cm Entfernung provozierend in die Augen und lief davon. Chris zeigte keinerlei Reaktion, die Augen nach vorne gerichtet. Gänsehaut.

Der Spanier konnte sich einen ordentlichen Vorsprung (ca. 200 Meter) herauslaufen und ich dachte mir, der Käse ist gegessen. Doch nicht mit dem Weltmeister. Ich habe noch nie einen so entschlossenen Gesichtsausdruck gesehen.

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Ich wusste, daß er nie aufgibt, hätte aber niemals geglaubt, daß er wieder rankommt. Und tatsächlich, gegen Ende der dritten Runde war er wieder dran. Sie liefen wieder zusammen und Rainer und ich fuhren wieder nebeneinander. Wir machten sogar Fotos, mit Attacken war momentan nicht zu rechnen.

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Ich wollte sichergehen, daß sich die Jungs amüsierten und fragte nach hinten: „and you guys are having fun, yes?“ Keine Reaktion vom Spanier, Chris dagegen grinste wie ein Honigkuchenpferd, zeigte mir den Daumen und gab mir ein fettes „Yeeaahhh“ zur Antwort. Gänsehaut. Übrigens war der Aussie ständig am Quatschen, teilweise unterhielten sie sich und es wurde gelacht. Hammerhart. Ich dachte an letztes Jahr und das knappe Finish zwischen Leder und Brede.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Erst ganz langsam, dann immer sicherer begann McCormack das Tempo zu forcieren und Eneko konnte nicht mithalten. Das war die Entscheidung ca. 6-7 km vor dem Ziel. Als wir auf der Brücke bei km 40,5 waren, wurde es deutlich: Mc Cormack war schon mitten in der V7, wir erst mitten auf der Brücke. Das wars, das hatte auch der Spanier registriert.

Er lief trotzdem schnell weiter, obwohl er von hinten keine Bedenken haben musste. Faris war mittlerweile ausgestiegen und Timo, der nun drittplatzierte, lag locker vier Minuten dahinter. Wir bogen nun ab in die Zielgerade, wo noch jede Menge Radfahrer gerade in die Wechselzone fuhren. Ich bekam wieder Gänsehaut. Menschen soweit das Auge reicht. Kurz vor dem Abbiegen in den Kanal scherte ich aus, zeigte dem Spanier den Weg, klatschte mit ihm ab und blieb stehen.

Auf der Leinwand konnte ich sogar noch McCormack ins Ziel einlaufen sehen und dann dem Spanier beim Laufen durch den Kanal beobachten. Mich schüttelte es schon wieder. Was ein Rennen, dachte ich mir, und ich mittendrin. Unglaublich. Wir blieben stehen, bis die ersten zehn durch waren.

Erst Harald mit Timo Bracht,

dann Comeback-Cameron Brown,  

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Hector Llanos (Bruder von Eneko),

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 der Vorjahres-Vierte Jan Raphael,

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 die Überraschung des Tages, Andreas Böcherer,

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Markus Fachbach,

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 Lokalmatador Uwe Widmann

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und dann erst Micha Göhner auf einem enttäuschenden 10. Platz.

Da haben es die Ausländer den Deutschen ganz schön gezeigt, nur einer unter den ersten fünf. Dann haben wir noch Stefan Schlett mit einer sagenhaften Chrissie Wellington abgewartet, sage und schreibe 25 Minuten Vorsprung vor Nicole Leder.

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 Zwischendurch standen wir unten und hielten Ausschau nach den TSG-Startern. Erst entdeckten wir Nette, die gerade in die Wechselzone fuhr, wir feuerten sie auf ihren ersten Metern des Marathons an. Dann Roger, der in die dritte Runde einbog, aber keine Reaktionen auf die Rufe zeigte. Ganz anders dann Stefan, der in die zweite Runde ging und beide Hände triumphierend in die Luft hob. So muß das sein!Ich rechnete kurz durch und kam auf eine Zeit unter 10 Stunden, wenn ich mich nicht verrechnet hatte.

Später im Römer kam Chrissie dann wie auf Eiern hereinspaziert, erkannte Stefan Schlett, fiel ihm um den Hals und meinte nur „thank you, thank you so much“ in die Runde.

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 Ich habe auch noch ein schönes Foto mit ihr zusammen machen lassen. Klasse, diese Frau!

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Dann lösten wir uns langsam auf, ich lief an der Strecke entlang Richtung V7, in der Hoffnung, Stefan G. noch mal zu sehen.

Und siehe da, er kam, nach 10:11 Stunden ein paar hundert Meter vor dem Ziel vorbei. Er sah zwar logischerweise nicht mehr so frisch aus, aber nach 226 km wollen wir da mal nicht so hart sein. Ich freute mich tierisch für ihn und rief ihm zu. „Was für ne geile Zeit!“ 10:12:15 sinds am Ende geworden, das hätte er sich wie alle anderen auch wahrscheinlich nicht erträumen lassen. Respekt vor dieser Leistung!!! 

Markus war schon durch, Oli musste noch eine Runde laufen, den sah ich aber nicht. Ich habe dann an der V7 ein paar Becher Wasser gereicht, die Athleten mit meinen gewohnt dummen Sprüchen genervt oder belustigt, wie auch immer. Laura war fix und alle, sie hatte wie eine Irre Becher und Schwämme aufgesammelt. Gegen 18.30 Uhr gingen wir wieder zurück Richtung Auto, bewunderten unter anderem noch mal den blinden Starter. Der Knaller war aber der Typ, der laufend eine Zigarette rauchte. Ich glaubte meinen Augen nicht. Ohne Worte.

V7

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Laura und Stefan vor der Skyline

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Der blinde Starter - allerhöchsten Respekt! 

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Lustiges Schild 

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Als ich zuhause gegen 22.00 Uhr im Live-Ticker nach Nette schaute, war sie noch nicht im Ziel. Ich sah, daß sie für die 10 km zwischen km 21 und 31 sage und schreibe 2 Stunden brauchte. Ich glaubte schon an Aufgabe, als ich am nächsten Tag erfuhr, daß sie nach 15:15 Stunden ins Ziel lief. Sie benötigte für den Marathon unglaubliche 7:10 Stunden, die längste gelaufene Zeit alle Frauen und die viertlängste insgesamt. Respekt. Man hat ja 16 Stunden Zeit…

Summe der 27. Woche:

6,75 Stunden: 6,0 km Schwimmen, 111 km Rad (inkl. IM-Marathon J), 30 km Laufen

Fazit: Nur noch eine Woche! Komischerweise macht mir meine ehemalige Angstdisziplin Schwimmen am wenigsten Sorgen, hier habe ich mich Woche für Woche gesteigert. Beim Laufen habe ich auch keine großen Bedenken mehr. Nur bin ich Kopfläufer und brauche eigentlich meine langen Läufe zur Beruhigung im Vorfeld, die ich bis auf einen 30er aber nicht hatte. Trotzdem habe ich auch hier ein gutes Gefühl. Aber beim Rad fahren bin ich mir noch extrem unsicher, obwohl ich gute Schnitte gefahren bin. Hoffen wir mal das Beste…

Woche 26 - Nur noch zwei Wochen!

July 7th, 2008

Du weißt, du bist ein Triathlet, …

…wenn du deinen Neo sogar schon in der Badewanne anziehst.

Wie es mir Anfang der Woche ging, brauche ich ja wohl nicht zu erwähnen. So kaputt habe ich mich nicht mal nach dem Ironman vor zwei Jahren gefühlt. Montag und Dienstag war an Training nicht im entferntesten zu denken. Ich ärgerte mich über meine gnadenlose Dummheit, zum einen, so kurz vor dem Wettkampf ein neues Rad einzufahren, zum zweiten, dieses neue Rad in einem solchen Tempo zu fahren und zum dritten dieses neue Rad in einem solchen Tempo in solch einer Position zu fahren. Von den Rückenschmerzen her musste es ein Bandscheibenvorfall sein. Ich ging drei Nächte hintereinander mit Wärmflasche im Rücken ins Bett, und ich habe bisher noch nie im Leben eine gebraucht.

Von daher war die montägliche Session in der Physiotherapie Gold wert.

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Besonders die Fango-Wärmepackung vor der eingentlichen Massage tat mehr als gut.

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Von der Psyche her gings mir auch richtig dreckig, es hat mich runtergezogen wie noch was. Die ganze Challenge stand für mich plötzlich in Frage. Danke an Laura, oder vielmehr Respekt, die das Ganze durchmachen musste und mich auch schön aufgebaut hatte.

Irgendwann kam die Idee, daß ich ja mal bei Claudi und Arnd vorbeischauen könnte, er kennt sich ja perfekt aus, was Sitzpositionen betrifft. Wir verabredeten uns für Donnerstag abend.

Am Mittwoch bin ich frühs trotz Bedenken Schwimmen gewesen, nur um das Gewissen zu beruhigen. Ging eigentlich ganz gut, der Rücken hat mitgespielt. Abends wollte ich eigentlich auch noch was machen, doch da war immer noch nix drin.

Donnerstag ging dann schon wieder besser, aufs Rad traute ich mich trotzdem noch nicht. Also laufen, und wenn schon, dann Intervalle. Acht mal 500 Meter im gleichen 1000er Tempo wie bisher.

Danach zu Arnd. Altes Fahrrad auch mitgenommen, um die vorherige Sitzposition zu checken. Das das Wahnsinn ist, was ich da gemacht habe, war mir ja klar. Das Ende vom Lied: Wir sind mit dem Sattel gute drei Zentimeter runter gegangen und ein Stück nach hinten. Den Lenker haben wir gelassen. O-Ton Arnd: Diese Position hätte dich in Roth das Finish gekostet. Bumm. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle.

Am Freitag bin ich dann gleich aufs Rad und habe gemerkt, daß ich in dieser Position keine Probleme bekommen werde. Der Druck ist zwar nicht ganz so da wie vorher, aber ich will danach ja auch noch laufen können. Da ich keine Probleme hatte, bin ich dann auch gleich wieder Intervalle gefahren. 3 x 15 Minuten GA 2, bei mir so um die 150 Schläge. Schaffe ich aber nie, da hinzukommen, beim letzten schaffe ich es mit Ach und Krach über die 140er Marke.

Anschließend bin ich noch ins Schwimmtraining, wo ich feststellen muß, daß ich bei den schnellen Sachen schon besser drauf war. Wir sind Pyramide geschwommen, 100 schnell, 200 locker, 300 schnell, 400 locker, 500 schnell, 400 locker usw. bis der Bademeister böse guckte und wir aus dem Wasser stiegen.

Am Samstag habe ich erst mal meine neue Radbrille

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sowie die Befestigung fürs Trinksystem abgeholt und bin danach ins Stadtbad. Blöd, da das Schwimmerbecken wegen Wettkämpfen gesperrt war. Aber es gibt ja noch ein Nichtschwimmerbecken, das ich ganz schön unterschätzt hatte. Der Länge nach hat das 53 Meter, ich bin jedoch die normalen 25 Meter-Bahnen geschwommen. Da ich 3,8 km auf Zeit schwimmen wollte und das auch durchziehe, wenn ich mir was vorgenommen habe, lasse ich mich auch nicht dadurch entmutigen. Was sind schon 152 Bahnen??? J 1:08:29 – Schon wieder Bestzeit. Wobei die Zeit natürlich in einem so kleinen Becken nicht aussagekräftig ist.

Anschließend bin ich meine Kahlgrundrunde gefahren, etwas verlängert bis Huckelheim, so daß ich auf etwas mehr auf 80 km kam, wobei ich penibel darauf achtete, daß der Schnitt nicht den 27kmh-Bereich verlässt. Na als, geht doch. Danach noch ein flotter Zehner inkl. Kompressionsstrümpfen. Da wollte ich mal sehen, wie schnell ich die Dinger anbekomme. Das kann ja heiter werden, mal gespannt wie lange ich dafür in Roth brauche. Die ersten zwei km bin ich viel zu schnell angegangen, knapp über 4:00 min/km, den nächsten etwas langsamer und dann dachte ich mir, ca. 4:30 tun´s auch. Gelandet bin ich bei glatten 45 Minuten.

Meine Roth-Wettkampfschuhe (Wieder aus dem Hause Mizuno) 

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Am Sonntag noch mal nach Roth, vor allem um auch Laura mal das Ganze zu zeigen. Gleichzeitig war auch Rothsee-Triathlon, Mark 1-Laufräder, soweit das Auge reicht. Erst mal von unserer Unterkunft aus mit dem Auto die Radstrecke bis zum Schwimmstart gefahren und von dort nach Roth das Auto in der Wechselzone 2 abgestellt. Von dort aus bin ich mit dem Rad wieder zurück nach Hilpoltstein und dann eine komplette Runde gefahren. Laura hatte ihr MTB dabei und fuhr nach Roth in die Altstadt.

Bei mir liefs ganz okay, wobei ich natürlich die Zeit von voriger Woche nicht toppen kann und auch nicht wollte. Heraus kamen 102 km und ein Schnitt von knapp über 32 km/h. Heiß war es, 33° oder so.

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Eigentlich wollte ich dann von der WZ 2  aus bis zum WP 2 und zurück laufen, wären so 25 km gewesen, da es aber schon spät war und das Endspiel bald beginnen sollte, fuhren wir zur Lände, Laura fuhr mit dem Rad und ich lief komplett bis zum WP 2 und zurück. Trotz der Hitze machte es unwahrscheinlich Spaß, das Selbstvertrauen kam durch diesen Lauf wieder zurück. Hätte ich gewusst, wie bescheiden unsere Nationalmannschaft spielte, wäre ich doch komplett gelaufen. Wenn der Hund nicht geschissen hätte…

Summe der 26. Woche:

14,75 Stunden: 9,4 km Schwimmen, 244 km Rad, 42 km Laufen

Fazit: Nur noch zwei Wochen bis Roth und ne richtig heftige Depri-Phase. Kann ich mit meinem Rad fahren, oder soll ich doch das alte nehmen, wird mein Rücken wieder ganz, kann ich nach dem Rad noch laufen, hält mein Magen, vertrage ich das Gel, schmecken die Riegel auch beim Wettkampf so scheiße, geht auf der Radstrecke heftiger Wind, kriege ich auch keinen Platten, scheint die Sonne auch auf dem Rückweg vom WP 2, wird’s mit den Kompressionsstrümpfen nicht zu heiß undundund…Es wird allerhöchste Eisenbahn, daß es bald losgeht.